Investorengruppe Kerbler errichtet weltweit erstes 24-stöckiges Hochhaus in Holzbauweise. Während andere Hochhäuser in Holzbauweise noch in Planung sind oder nicht realisiert werden, setzt man in Wien ab 2016 ein Leuchtturmprojekt um, dessen Rekorde noch längere Zeit halten werden.
Die drei Mehrgeschoßer des HoHo besitzen einen Betonkern. Die Stützen, Träger und Platten sowie Fassaden sind in reiner Holz- oder Holz-Beton-Verbundbauweise geplant. Vorgabe für das Bauwerk war ein Holzanteil von 75%. (Foto: lainer.at + olt.at)


„Wir haben nichts neu erfunden, sondern nur neu gedacht.“ Mit diesen bescheidenen Worten eröffnete Baumeisterin Caroline Palfy,  Geschäftsführerin cetus Baudevolopment GmbH, Projektentwicklerin der Kerbler Gruppe, die Pressekonferenz am 25. Februar in Wien für ein Bauvorhaben, das die Holzbauwelt für die nächsten Jahren nach Wien blicken lassen wird. Auf rund 4000 Quadratmeter Grundstücksfläche soll bis 2018 das HoHo Wien, ein 84 m hohes Hochhaus in Hybridbauweise, im Stadtentwicklungsgebiet „aspern Seestadt“ in Wien, entstehen. Rund 60 Mio. € investiert Günter Kerbler in das Leuchtturmprojekt.
Auf drei weiteren Baufelder will Kerbler zusätzlich 60 Mio. € investieren. Für die Realisierung des HoHo überarbeiteten Caroline Palfy, das Architektenteam RL+P, der Statiker Richard Woschitz und der Brandschutzplaner Alexander Kunz die bereits am Markt befindlichen Hybridbauweisen neu. Der Holzbauanteil ab dem Erdgeschoß soll bei rund 75% liegen. Die  Bruttogeschoßfläche das HoHo Wien wird 48.250 m2 betragen.

Pioniere für ein weltweit einzigartiges Holzbauprojekt: Brandschutzplaner Alexander Kunz, Statiker Richard Woschitz, Kerbler-Projektentwicklerin Caroline Palfy, Architekt Rüdiger Lainer, Seestadt Aspern-Vorstand Alexander Kopecek (v. li.) (Foto: Anton Sprenger)


Fahrplan fix

Der Fahrplan für das HoHo ist fix: Nachdem die baubehördlichen Verfahren abgeschlossen sind, erwartet der Bauherr, die cetus Baudevelopment, die Baubewilligung noch im Mai. Dann beginnen die Ausschreibungen für die Gewerke. Als Baubeginn hat man sich das Frühjahr 2016  vorgenommen. Binnen 2 Jahren soll das Großprojekt dann fertiggestellt sein. „Während der Holzbau-Referenzbau in Melbourne sehr teuer war und andere Mehrgeschoßer etwa in London oder in Skandinavien bei der Raumnutzung starre Vorgaben haben, wollen wir mit unserem entwickelten System möglichst flexibel und zugleich wirtschaftlich sein. Auch das Energiekonzept ist ausgefeilt – das HoHo wird dem Passivhausstandard entsprechen“, verweist  Architekt Rüdiger Lainer, Architekturbüro Rüdiger Lainer + Partner ZT, Wien. Der Architekt erwartet sich eine  Beispielswirkung für andere Mehrgeschoßer in Holz-Hybridbauweise.


Die Marketingidee für Holzhochhaus basiert auf den sieben Elementen nach Feng Shui. Die Appartments (18. bis 22. Obergeschoß) stehen für das Element „Luft“, die zu vermietenden Büroflächen (5. bis 9. Obergeschoß) für „Metall“. (Foto: cy architecture OG, Christoph Koehler)


Pionier sucht Pioniere

„Holzbauprojekte, die zu teuer und zu kompliziert sind werden nicht verwirklicht. Unser Ansatz ist statisch bewusst einfach gewählt. Rund um die Betonkerne der drei Hochhäuser dockt sich der Holzbau an. Die Verbindungen der einzelnen Scheiben und die Anschlussdetails dafür haben wir zum Teil neu gedacht. Die Stützen aus blockverleimtem Brettschichtholz werden in den unteren Geschoßen einen Querschnitt von bis zu 36 x 92 cm aufweisen, in den oberen Geschoßen noch 36 x 36 cm. Die Spannweite der HBV-Träger wird bis zu 7 m betragen. Die Holzbauarbeiten werden eine Herausforderung für die Unternehmen sein, welche sich für dieses Vorhaben bewerben wollen“, gab Statiker Richard Woschitz, RWT-ZT GmbH, erste Details für das Bauvorhaben bekannt. Woschitz selbst ist ein Pionier des mehrgeschoßigen Holzbaus und war bereits an der Umsetzungen der bekannten Holzbauten in Wien wie der Spöttlgasse, Mühlweg oder der Wagramer Straße teilweise maßgeblich beteiligt.

15 Minuten mehr Sicherheit
Für bewilligte Brandschutzkonzept für das HoHo sieht kleine Brandschutzabschnitte sowie eine Sprinkleranlage vor. Die rechnerische ermittelte Brandwiderstandsdauer ergab einen Wert von 115 Minuten. Das sind 15 Minuten mehr Sicherheit, als für diese klasse gefordert. „Die gesetzten kompensatorischen Maßnahmen der Baukonstruktion entsprechen damit voll der OIB-Richtlinie 2“, freute sich Brandschutzplaner Alexander Kunz.

Leuchtturmprojekt in Wien
„Als Smart City steht ,aspern Die Seestadt‘ zukunftsweisend für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Da ist es naheliegend, dass ein Leuchtturmprojekt wie das HoHo Wien in der Seestadt den optimalen Standort gefunden hat. Der 22. Bezirk ist mit 168.000 Einwohnern größer als die Stadt Salzburg und weiter stark wachsend. Daher brauchen hier in der nahen Zukunft solche attraktiven und innovativen Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten wie das HoHo“, sieht Alexander Kopecek, Vorstandsmitglied der Wien 3420 AG, in die Zukunft.


Für das weltweit erste Holz-Hochhaus mit 24 Geschoßen wurde ein bewusst einfaches Holz-Beton-Hybrid System entwickelt. (Foto: lainer.at + olt.at)


Text: Anton SprengerWeitere Informationen:

www.lainer.at

www.conwert.com


www.kerblerholding.at

www.cetus.at

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