Österreichisches Holzbau-Know-how lässt sich neuerdings auch in Paris bestaunen: das Green Office® ENJOY. Dieses besondere Bürogebäude besteht größtenteils aus Holz und produziert mehr Energie, als es verbraucht.
Das Plusenergiehaus bricht mit klassischer Pariser Architektur. Foto: Baumschlager Eberle Architekten
Paris ist bekannt für seine klassischen Bauten entlang der Boulevards, aber auch für seine modernen Architekturkonzepte an außergewöhnlichen Locations. Das Green Office® ENJOY im Pariser Stadtteil Clichy-Batignolles zählt eindeutig zur modernen und zukunftsweisenden Kategorie. Es fußt auf einer Eisenbahn-Unterführung, dessen Betondeckplatte eine Leichtkonstruktion erfordert, um die Gebäudelast aufnehmen zu können.

Dementsprechend wurde lediglich das Sockelgeschoss in Beton ausgeführt. Die restliche Gebäudestruktur ist eine klassische Pfosten-Riegel-Konstruktion aus verleimtem Schichtholz (Fichte und Tanne), die Geschossdecken bestehen aus Brettsperrholz (Kiefer), die Fassaden sind mit einem Massiv-Holzfachwerk, Grobspanplatten (OSB), Mineralwolle und abschließenden Aluminiumkassetten aufgebaut.

Tonnenweise Vorteile
Holz wiegt rund ein Drittel weniger als Beton, was erklärt, warum dieser nachhaltige Rohstoff für dieses aufsehenerregende Projekt das Mittel der Wahl ist. Mit seinen 2.700 m3 Holz aus Skandinavien und Österreich bindet das Gebäude demnach 520 t CO2, da das Holz als natürlicher Kohlenstoffspeicher wirkt.

Durch seine hauptsächlich aus Holz bestehende Konstruktion werden im Vergleich zum klassischen Bauprojekt aus Beton 2.900 t CO2 in der Produktion eingespart. Dies entspricht etwa 1.500 gepflanzten Bäumen oder dem Ausgleich von Emissionen aus 23 Mio. gefahrenen Fahrzeugkilometern!

Hochfrequente Nutzung
Aber auch die planungstechnischen Zahlen des neuen Plusenergiehauses können sich sehen lassen: drei Trakte mit jeweils sieben Etagen eröffnen insgesamt 17.420 m2 Bürofläche für rund 1.250 Menschen, die dort arbeiten werden. Das Gebäude verfügt über einen eigenen Patio – einen Innenhof und gestalteten Naturraum – dessen Grünfläche großzügig bemessene 15 % der Grundfläche ausmacht.

Von den drei gedeckten Terrassen im fünften Stock reicht der Blick bis zur Sacre Coeur im Süden, zum Eiffelturm im Westen und zur Justizstadt im Norden. Die hohen Fenster und die sie begleitenden Aluminiumplatten der Fassade zitieren dieses städtische Umfeld in Form von Spiegelungen und reflektierendem Sonnen- und Tageslicht. Planungen von Baumschlager Eberle Architekten zielen darauf ab, Bauten zu errichten, die konsequent auf die Reduktion der Ressourcen ausgerichtet sind.

Nachhaltig bis zum Schluss
Das hier vorgestellte Gebäude ist eine konsequente Entwicklung dieser Philosophie: Es spart nicht nur Energie, sondern produziert mehr davon, als es in der täglichen Nutzung verbraucht. Diese spezielle Form der Nachhaltigkeit wird über die Photovoltaik-Anlagen auf den großzügigen Dachflächen des Projekts ermöglicht. Die 1.950 m2 Flächen erzeugen 23,5 kWh/(m2a) an Sonnenenergie bei einem, sehr niedrigen Eigenverbrauch des Gebäudes von 19,1 kWh/(m2a), sodass ein Überschuss von 23 % von schadstofffreier Energie gewonnen wird.

Bis dato ist innerhalb der Pariser Großprojekte Green Office® ENJOY das einzige Gebäude mit einem Positiv-Energiestandard. Zugegeben: Von außen ist es nicht offensichtlich, dass es sich hier um eines der spannendsten Holzbauprojekte Europas handelt, da sich die Gebäudehülle aus Aluminiumplatten über das Bauvolumen spannt.

Das Naturmaterial hat allerdings im großzügig dimensionierten Entrée sowie im Innenbereich und den Büros (wo die Menschen unmittelbar damit in Berührung kommen) seinen Auftritt. Anne Speicher, Managing Partner, Baumschlager Eberle Architekten, Paris: „Es ist angenehm, das althergebrachte Baumaterial Holz wiederzuentdecken und seine Wärme auch im Inneren wahrzunehmen.“ (woz)

Kommentare  

#1 Werner Dittrich 2019-01-14 11:16
Informativ wäre die Angabe der beteiligten Firmen, wie z.B. Architekt, Tragwerksplaner und ausführende Holzbaufirma. Können Sie mir das mitteilen? Danke.

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