Wegwerfen befreit und macht Platz für Neues, sagt die Ratgeberliteratur. Aber nicht jedes Material muss zuerst zu Abfall werden, bevor es wieder verwendet wird - im Gegenteil. Holz bleibt Holz und kann ohne Qualitätsverlust mehrmals die gleiche Funktion übernehmen.

In nur sieben Monaten wurde im 14. Wiener Gemeindebezirk 2018 ein ökologisch hochwertiges Schulgebäude als Ersatzquartier für die Ganztagsmittelschule und Neue Mittelschule Kinkplatz errichtet. Foto: Regina M. Lettner

Recycling meint im allgemeinen Sprachgebrauch jede Art von nochmaliger Nutzung oder Verwertung. Streng genommen heißt es nur, dass ein Rohstoff aus Abfall hergestellt wurde. Betonrecycling ist dafür ein gutes Beispiel: Das entsorgte Material wird zerkleinert und ersetzt den Schotter im neuen Beton. Vor allem mit Holz stehen viele Möglichkeiten offen.

Baukastenprinzip                                                                                                       

Ein Kreislauf-Konzept für die Bauwirtschaft hat Erwin Thoma mit seinem Holz100 entwickelt. Das preisgekröntes Massivholz-Bausystem wurde mit dem „Cradle to Cradle“-Zertifikat in Gold ausgezeichnet - als einziger Baustoff weltweit. Um ein Holz100-Haus zu recyceln muss man nur die mechanischen Verbindungen – die das Haus zusammenhalten – auflösen. Mit dem frei werdenden Rohmaterial kann dann ein neues Haus gebaut werden. Genaugenommen handelt sich dabei also nicht um Recycling, sondern um die Wiederverwendung der Teile wie bei einem Baukasten.

Bauteilbörse

„Für die fantasievolle Wiederverwendung von Bauteilen und für weniger Zerstörung durch Recycling“ lautet das Motto von Salza.ch. Auf dieser Schweizer Plattform können Bauende ihre Abbruchliegenschaft dokumentieren. Interessierte aus der Bau- oder Kunstbranche können die Bauteile online entdecken. Salza.ch vermittelt den Kontakt, den Rest machen die Parteien unter sich aus. Ziel ist es, möglichst vielen wertvollen Bauteilen ein zweites Leben zu ermöglichen.

Neue Häuser aus altem Holz                                                                                 

Ein eigenständiges, hoch spezialisiertes Konzept hat Herbert Oppeneiger aus Eben im Pongau entwickelt und sich einen Namen im rekonstruktiven Holzbau gemacht. Zentrale Idee ist die Aufrichtung und qualifizierte Verwendung von alten, gebrauchten Baumaterialien, insbesondere von Holz. Dabei entstehen Zu- und Umbauten, Wintergärten, Blockhäuser und Jagdhütten. Markenzeichen von Holzbau Oppeneiger ist die Verwendung von Altholz, das ganz klar definiert wird: „Was wir verwenden, ist Holz, das zumindest 100 Jahre alt ist.

Modulare Schule                                                                               

In nur sieben Monaten wurde im 14. Wiener Gemeindebezirk 2018 ein ökologisch hochwertiges Schulgebäude als Ersatzquartier für die Ganztagsmittelschule und Neue Mittelschule Kinkplatz errichtet. Ausgeführt ist der Neubau in einer modularen und wiederverwendbaren Holz-Stahl-Fertigbauweise. Das heißt, er kann nach Ablauf der Nutzungsdauer an diesem Standort bis zu fünfmal in den kommenden 25 Jahren demontiert und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Dabei erfüllt das Bauwerk den Stand der Technik für ein klassisches, also nicht temporäres Gebäude. (regina lettner)

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