Gerhard Schickhofer hat vor 25 Jahren in Graz den Grundstein für eine der wichtigsten Technologien des modernen Holzbaus gelegt. Nun erhält er dafür den mit 200.000 € dotierten schwedischen Preis.
Gerhard Schickhofer, Leiter des Instituts für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz und Mitbegründer der holz.bau.forschungs.gmbh. Foto: Lunghammer – TU Graz
Im Jahr 1994 landete eine Dissertation am Schreibtisch des Studiengangs Bauingenieurwesen der Technischen Universität Graz. Sie trug den Titel: „Starrer und nachgiebiger Verbund bei geschichteten flächenhaften Holzstrukturen“. Darunter ein Name: Gerhard Schickhofer.

Ebenjener hat sich mit genau diesem Thema mittlerweile einen Namen in der internationalen Community für Holzbau gemacht. Er hat zusammen mit seinem Team am Institut für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz und am Grazer Kompetenzzentrum holz.bau forschungs gmbh einen Baustoff entwickelt, der das Bauen mit Holz für immer verändern sollte: CLT, Cross-Laminated-Timber.

Cross-Laminated Timber
Bei CLT (oder auch Brettsperrholz) handelt es sich um einen Verbundbaustoff, bei dem Holzplatten im Kreuz miteinander verleimt werden. Diese Methode macht den Baustoff extrem stabil und erdbebensicher. Gleichzeitig bleibt er mit modernen Bearbeitungsmethoden leicht zu verändern, zu formen und sogar zu krümmen und behält die umweltfreundlichen Vorteile des Rohstoffs Holz bei.

CLT hat die Bauweise mit Holz auf eine neue Stufe gehoben. Erst dadurch wurden zum Beispiel Hochhäuser aus Holz wie das HoHo in Wien zu einer Möglichkeit. Gerhard Schickhofer und sein Team haben ihn dabei nicht nur entwickelt, sondern auch den Weg für seine internationale Umsetzung geebnet. Sie haben eine führende Rolle bei der Festlegung europäischer Normen und der technischen Zulassungen für die CLT-Produktion und die Verwendung in industriellen Anwendungen des Holzbaus gespielt.

Preise
All diese Arbeit hat Gerhard Schickhofer nicht nur einen Namen eingebracht, den man in der Branche kennt, sondern auch schon diverse Auszeichnungen. 1995 und 1997 den Umdasch-Preis. 1998 den Preis der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG für seinen Beitrag zur ersten österreichischen Zulassung von CLT. 2000 den Steirischen Holzbaupreis.

Letzte Woche – 25 Jahre nach der Entwicklung des Baustoffs und nach der Einreichung der Dissertation, mit der alles begann – kam noch eine weitere Auszeichnung hinzu. Im Rahmen des World Wood Day am 22. März im Freilichtmuseum Stübing bei Graz erfuhr die Öffentlichkeit, dass er den diesjährigen Marcus-Wallenberg-Preis erhalten werde.

Marcus Wallenberg-Preis
Der schwedische Preis ist mit 200.000 € dotiert und würdigt jährlich „bahnbrechende wissenschaftliche Errungenschaften, die signifikant zur Erweiterung des Wissens und der technischen Entwicklung in Feldern von Wichtigkeit für die Forstwirtschaft und forstbasierte Industrien beitragen.“

Schickhofer wird den Preis im Herbst bei der Verleihung in Stockholm von König Carl XVI. Gustaf im Rahmen einer feierlichen Zeremonie entgegennehmen. (flb)

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