Im konstruktiven Holzbau ist der Einsatz von verklebten Bauprodukten nicht mehr wegzudenken. Für Verstärkungen und als ästhetisches Verbindungsmittel sind eingeklebte Gewindestangen eine zunehmende Alternative zu mechanischen Anschlüssen. Materialkombinationen und innovative Verfahren stehen derzeit im Fokus der Forschung und Normierung.
Bei der von Peak Architekten, Zürich, konzipierten Bergstation des Kleinen Matterhorns wurden alle Montagestöße mit der GSA-Technologie, das heißt mit der steckbaren GSA-LMV Verbindung gelöst. Foto: Zermatt Bergbahnen
Um leistungsfähige Tragwerke im konstruktiven Holzbau wirtschaftlich und kreativ umsetzen zu können, sind hochwertige Verbindungsmittel und Befestigungssysteme gefragt. Neben der Verwendung von verklebten Holzbauprodukten, wie Brettschichtholz, keilgezinktes Vollholz und Brettsperrholz sind bei der Errichtung von Holzbauwerken auch Klebearbeiten, wie etwa bei der Ausführung von Verstärkungen oder Holz-Stahl-Verbindungen, notwendig.

Dieser Trend zu geklebten, verdeckten und damit ästhetischeren Lösungen bei der Verstärkung von Trägern wie für Durchbrüche, Ausklinkungen und Queranschlüsse im konstruktiven Holzbau zeigte sich heuer auch beim Leimmeisterkurs der Holzforschung Austria (HFA) Ende Januar. „Unter den über siebzig Teilnehmern waren heuer neben Mitarbeiter von Leimholzbetrieben auch Zimmerer von Holzbaubetrieben, weil Sonderverklebungen und Verstärkungen mit eingeklebten Gewindestangen immer mehr zunehmen. Diese Verbindungen kann man gestalterisch besser einbauen und Holzbauten werden damit variabler. Diese Klebearbeiten sind für die Funktionalität der Tragkonstruktion von eminenter Bedeutung, allerdings in den meisten Ländern bisher normativ noch nicht geregelt. Die Adaptierung der rechtlichen Grundlagen ist für heuer noch in Aussicht gestellt. Darauf aufbauend wird die HFA Spezialkurse für das Kleben im Holzbau anbieten“, informiert Fachbereichsleiter Ingenieurholzbau, Dr. Andreas Neumüller.

Forschung bei Laubholz verstärkt
Neben der Schulungstätigkeit sowie der Prüfung und Überwachung ist die HFA intensiv in die Forschung im Bereich Klebstofftechnologie engagiert. Neben auftragsbezogenen Entwicklungsprojekten gibt es auch als „strategisches Projekt“ ein bis Juni 2019 laufendes Kooperationslabor Holz-Beton-Fügetechnik zusammen mit dem und der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Auf dem Gebiet „Verbindungstechnik für Laubholz-Konstruktionen“ verfügt in Österreich auch das Institut für Holzbau und Holztechnologie an der TU Graz eine besondere Forschungsexpertise im Bereich eingeklebte Gewindestangen. Während zu geklebten Stäben in Nadelholz umfassende Untersuchungserkenntnisse vorliegen, werden starre, tragfähige, duktile und ästhetische Anschlüsse bei Laubhölzern auch im deutschsprachigen Raum intensiv weiterentwickelt.

Höhenflug für eingeklebte Gewindestangen
Ein Beispiel der Superlative bei der Verwendung von eingeklebten Gewindestangen ist der Bau der im Herbst 2018 eröffneten Seilbahn auf das Kleine Matterhorn. Pro Stunde befördert sie 2000 Menschen in neun Minuten von der Talstation zum „Glacier Paradise“, der höchstgelegenen Bergbahnstation Europas auf 3883 Metern. Neben besonderen Geometrien und den daraus resultierenden anspruchsvollen statischen Systemen der Gebäude waren infolgedessen auch die zu berücksichtigenden Beanspruchungen aus Schnee und Wind nicht alltäglich: Die Bauten waren auf Windlasten von 320 kg/m2 sowie Schnee- und Lawinenlasten von lokal bis zu 6,0 Tonnen/m2 auszulegen. Hinzu kamen die beschränkten Transportmöglichkeiten (maximal 2,5 Tonnen und 12 m Länge). So mussten etwa alle Hauptträger und die bis zu 18 m langen Fassadensstützen der Bergstation mit biegesteifen Montagestößen ausgeführt werden. Die neue Holzbau AG, Lungern in der Schweiz, lieferte das Primärtragwerk aus Holz für die Tal- und Bergstation. Da die Bauteile wegen Zufahrt, Transportseilbahn und Gewicht nicht länger als 13,5 Meter sein durften, kam die firmeneigene GSA-Technologie zum Einsatz, bei der Stahl-Gewindestangen mit einem speziellen Harz in Brettschichtholz eingeklebt werden. „Diese innovative Verbindungstechnik gehört bezüglich Leistungsfähigkeit, Ästhetik und Montagefreundlichkeit weltweit zu den führenden“, verweist Sascha Abplanalp, Leiter Technik der neuen Holzbau AG. (asp)

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