Auf den Holzmarkt gelangt Birnbaumholz oft aus Obstkulturen oder dem Import, sehr selten von den schützenswerten Wildbirnen. Geschätzt wird das Holz wegen seiner schönen Zeichnung und seiner hervorragenden Bearbeitbarkeit.

Serie: Die Vielfalt der Holzarten

Verschiedene Holzarten haben unterschiedliche Eigenschaften und Einsatzbereiche. holzmagazin gibt einen Überblick. 


Gerhard Wimmer von der Drechslerei Wimmer in Oberösterreich fertigt Holzeisstöcke aus hochwertigem Birnenholz. Foto: Wimmer

Die Wildbirnen zählen zu den sogenannten Wildobstarten, welche zur Familie der Rosaceae gehören. Die Wildbirne erreicht Höhen bis 20 Meter und ein Alter bis zu 150 Jahren. Anders als bei den Kulturformen sind die Äste mit Dornen besetzt. Das Verbreitungsgebiet der licht- und wärmebedürftigen Wildbirne reicht von Westeuropa bis zum Kaukasus, nicht jedoch auf sauren oder vernässten Böden sowie nicht in Frostlagen. 

Selten als Wertholz

Das seltene Birnbaumholz ist am Holzmarkt sehr gefragt, aber nur in geringen Mengen verfügbar. Deshalb werden auf Submissionen häufig Stämme aus Streuobstwiesen verkauft oder importiert. Wertholzproduktion ist jedoch keine klassische Zielsetzung in der Bewirtschaftung der Streuobstbestände und beste Holzqualitäten sind rar. Die Holzpreise –für ausgesuchte Bloche – lagen bei der Submission heuer in Oberösterreich mit durchschnittlich 232 Euro pro Festmeter oder 342 Euro/fm in Niederösterreich im obersten Erlösbereich bei den Wildobstarten. Das könnte in Zukunft zu einem Umdenken in der Waldbewirtschaftung führen.Die TU München hat dazu Versuche zur Wertholzproduktion durchgeführt. Die mit 45 Zentimeter Durchmesser als signifikante Preisgrenze für Birnenwertholz geltende Dimension wurde für Mostbirnen und dem Speierling für eine Umtriebszeit von 60 bis 70 Jahren errechnet. Für Tafelbirnen wurde festgestellt, dass das langsamere Wachstum und die arteigene Wuchsform samt Drehwuchs kein Wertholz erwarten lässt. Die Langzeitversuche sind vielversprechend, aber noch nicht abgeschlossen. Empfohlen werden bislang der Speierling, die Mostbirnen Schweizer Wasserbirne und Oberösterreichische Weinbirne sowie die Tafelbirne Gute Luise. 

Reifholz mit Stehvermögen

Die Birne ist ein Reifholzbaum, der selten Kernbildung und deshalb keinen Farbunterschied zwischen Splint- und Kernholz aufweist. Seine blassgraue bis rötlichbraune Färbung geht bei älteren Stämmen oft in ein intensives Rot über. In der Struktur zeigt sich in gleichmäßiges, feines, dichtes, häufig geflammtes Holz. Das Holz ist mit einer mittleren Rohdichte von 0,79 g/cm3 schwer und hart. Es hat ein gutes Stehvermögen und gute Festigkeitseigenschaften. Durch seine gleichmäßige feinporige Struktur lässt es sich gut bearbeiten. Wegen seinem Hang zum Reißen wird das Holz in der Regel gedämpft, wodurch die rötliche Färbung intensiviert wird.

Holz für Tischler und Drechsler

Birnbaumholz lässt sich mit allen Werkzeugen gut bearbeiten. Neben Kirsch- und Nussholz zählt die Birne zu den gesuchtesten heimischen Edelhölzern in der Möbeltischlerei. Im anspruchsvollen Innenausbau wird Birnenholz als Deckfurnier vor allem für großflächige Wand- und Deckenvertäfelungen oder als Fertigparkett ebenso eingesetzt wie für Einlegearbeiten. Einen festen Platz hat Birnenholz traditionell im Musikinstrumentenbau – vor allem für Flöten. Möbel- und Montagetischler sowie Möbeldesigner Robert Branka aus Böheimkirchen kann seit kurzer Zeit als Referenz für seine Maßmöbel eine komplette Vollholzküche aus Birnenholz vorweisen. „Wir kaufen Birnen-Schnittholz mit etwa 8 bis 10 % Feuchtigkeit zu und trocknen es schonend weiter auf etwa 6% herunter. Anschließend wird das sägeraue Holz besäumt, abgerichtet und mit PU-Leim verleimt (linke und rechte Holzseite abwechselnd). Auf diese Weise produzieren wir unsere Massivholzplatten selbst“, freut sich der Möbeldesigner. 

Birnenholz für Eisstocksport

Hohe Wertschätzung besitzt die Birne bei Drechslern und Holzschnitzern wegen seiner dekorativen Wirkung und gleichzeitig hervorragenden Bearbeitbarkeit. Wegen seiner hohen Formbeständigkeit gibt es weitere Spezialanwendungen bei Zeichen- und Messgeräten sowie für Gussmodelle, bei denen eine starke Beanspruchung und zugleich eine hohe Genauigkeit gefordert wird. Im Sportgerätebau ist Birne eine gesuchte Holzart für Eisstöcke. Die familiengeführte Drechslerei Wimmer aus St. Roman bietet seit den 1960er-Jahren hochwertig produzierte Eisstöcke und zählt zu den größten und erfolgreichsten Erzeugern in Europa in diesem Bereich. Zur Herstellung eines Eisstockes werden Kanthölzer von Gerhard Wimmer zuerst geschnitten, mit einem Zweikomponentenleim für die richtige Größe verleimt und anschließend in einer Holztrocknungsanlage im Vakuum gelagert. So erhält das Holz die nötige Struktur und Festigkeit, um beständig auf dem Eis zu wirken. Die Langlebigkeit des Werkstoffs für den Holzeisstock wird dadurch garantiert.

 

Früchte und Laub der Wildbirne. Foto: OEBf/Wolfgang Simlinger

Fakten:

Birnbaum (Prunus communis), Wildbirne (Pyrus pyraster): Familie der Rosaceae

Mittlere Rohdichte: 700 kg/m³; Grenzwerte: 650 – 760 kg/m³

Gesamtschwindmaß:

  • axial: 0,4 %
  • radial: 3,1-4,6 %
  • tangential: 6,1-9,1 % 

Differentielle Quellung:

  • radial: 0,15-0,18 %
  • tangential: 0,30-0,36 % 

Brinellhärte HB,0: 60 N/mm²

Brinellhärte HB,90: 32 N/mm²

Elastische Eigenschaften: Biege-Elastizitätsmodul: 7900 – 8000 N/mm²

Festigkeitseigenschaften:

  • Biegefestigkeit: 75-98 N/mm²
  • Zugfestigkeit: 100 N/mm²
  • Druckfestigkeit: 46 – 54 N/mm²
  • Bruchschlagarbeit: 31 kJ/mm²
  • Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350-2: Pilze 4 (gering dauerhaft)
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