In den USA werden mehr männliche Pflanzen gepflanzt als weibliche. Das führt zu erhöhter Pollenbelastung und verstopften Nasen. 

Männliche Blüten sind für Niesanfälle und juckende Augen verantwortlich. Foto: pxhere

Der Frühling gehört zu den schönsten Zeiten des Jahres. Die Bäume tragen neues Grün und Blüten zieren die Umgebung. Alle sind glücklich. Alle außer Allergiegeplagten, die der Natur am liebsten den Rücken kehren und in die Städte fliehen. Aber auch dort ist man nicht vor der Pollenplage gefeit.

Tatsächlich ist – zumindest in den USA – sogar das Gegenteil der Fall. Wie Thomas Leo Ogren in Scientific American beschreibt, führte eine Entscheidung zur Bepflanzung US-amerikanischer Städte dazu, dass Allergien signifikant stärker hervortreten: Seit den 70ern bepflanzen viele Städte in den USA ihre Straßen beinahe ausschließlich mit männlichen Bäumen. 

Männliche Bäume

Warum? Das hat mit den unterschiedlichen Aufgaben der männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmale von Pflanzen zu tun. Nur die weiblichen Blüten wandeln sich auch in Früchte um, während männliche für die Bestäubung sorgen. Bereits Ende der 40er empfahl das US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), in den Städten tendenziell männliche Bäume zu verwenden, um den Aufwand bei der Straßenreinigung zu verringern, denn männliche Bäume erzeugen weniger Mist als weibliche. 

Diese Strategie ging tatsächlich auf. Vor allem ab den 1970ern, als durch das Ulmensterben ein hoher Bedarf an neuen Bäumen in den Städten herrschte. Der Aufwand zur Reinigung der Straßen wurde tatsächlich geringer. Leider hatte sie aber auch einen Nebeneffekt, den die USDA seinerzeit in ihrer Empfehlung nicht bedacht hatte. Durch die vermehrte Verwendung männlicher Bäume stieg auch die Menge an Pollen in der Luft an. 

Mehr Pollen, mehr Allergien

Dadurch verschlimmern sich natürlich auch Allergien und mehr Leute sind davon betroffen. Eine allergische Reaktion entsteht nämlich nicht immer, wenn man einem potenziellen Allergen ausgesetzt ist, sondern erst ab einer gewissen Dosierung. Je höher die Dosierung, desto wahrscheinlicher ist es, dass das eigene Immunsystem dadurch verrückt spielt. 

Diese Verwendung von vorwiegend männlichen – und damit hoch-allergenen – Pflanzen entstand dabei nicht nur durch eine Auswahl, sondern auch durch spezielle Züchtung und durch „Klonen“ von Bäumen. In der Intention, männliche Pflanzen in die Städte zu holen, entstanden sogar ganz eigene Spezies. Waren diese zuvor Zwitter – wiesen also beiderlei Geschlechtsmerkmale auf – sind ihre indirekten Nachkommen heute rein männlich. 

Luftfilter?

Neben den verstärkten allergischen Reaktionen haben die rein männlichen Bäume noch einen weiteren Nachteil, der mit der vielgerühmten Fähigkeit von Pflanzen zusammenhängt, unsere Luft zu filtern. Wenn sie das tun, verschwinden die Schadstoffe schließlich nicht, sondern werden in die Bäume integriert und ebenso in das, was diese abgeben. Bei weiblichen Pflanzen sind das die Früchte. Bei männlichen die Pollen. 

Anstelle unsere Luft zu filtern, geben die vermehrt männlichen Pflanzen die Schadstoffe also in Form von Pollen wieder an uns zurück. Zumindest zum Teil. Darunter leiden vor allem Kinder, die unter den Bäumen spielen und durch die körperliche Betätigung mehr Pollen einatmen als durchschnittliche Erwachsene. Insbesondere da gerade an Schulhöfen die höchsten Pollenwerte in den USA gemessen wurden. 

Mehr Weiblichkeit zeigen

Es gibt natürlich eine recht einfache Lösung für dieses Problem: Anstelle von ausschließlich männlichen, müssen auch wieder mehr weibliche Bäume ihren Platz in den Städten finden. Dadurch würde nicht nur die Menge an Pollen verringert, die ihren Weg in die Luft finden, diese würden auch vermehrt zu den weiblichen Blüten gezogen werden. Das hängt zusammen mit der elektrischen Ladung von Pollen und Blüten und der dementsprechenden gegenseitigen Anziehung. 

In den USA gibt es in manchen Städten auch schon Initiativen, die den Pollen-Ausstoß von Pflanzen kontrollieren wollen und damit auch das Problem der tendenziell männlichen Bäume. Für eine sauberere Luft und einen Frühling, den man auch mit Allergien genießen kann. (flb) 

Anmerkung: Weder für Österreich noch für Deutschland sind holzmagazin bei den Recherchen für diesen Artikel Empfehlungen oder Initiativen untergekommen, die rein-männliche Bepflanzung propagieren würden. Die Erkenntnisse aus den USA sollten dementsprechend nicht eins-zu-eins auf Österreich umgelegt werden.

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