Die Klimakrise hat den österreichischen Forsten 2018 schwer zugesetzt. Die Land&Forst Betriebe Österreich sehen eine Zukunft in der Bio-Fortwirtschaft.  

Wälder, die sich selbst überlassen sind, sind stabiler und auch effizienter. Foto: pxhere

Die österreichische Forstwirtschaft hat ein Problem: Die Klimakrise. Zugegeben, dieses Problem teilt sie mit dem Rest der Erdbevölkerung, das tut den negativen Auswirkungen für die Branche aber keinen Abbruch. Diese waren 2018 nämlich stärker als im Jahr davor. Inwiefern sich die Klimaextreme genau auf die Forstwirtschaft auswirken? 

10 Millionen Festmeter Schaden

Unter anderem durch die starke Hitzeperiode im Osten, Norden und Südosten Österreichs. Im Süden gab es Schäden durch stark Stürme und auch die Zahl an Borkenkäfern in den österreichischen Wäldern war noch nie so hoch wie dieses Jahr. Diese Faktoren – zusammen mit Schäden durch Schnee und Eis – haben zu einer nie dagewesenen Menge an Schadholz in den österreichischen Wäldern geführt: rund 10 Millionen Festmeter. 

Gleichzeitig sank auch der österreichische Jahresdurchschnittspreis für Nadelsägerundholz von 89,6 € auf 85,6 € pro Festmeter. 2013/2014 lag er noch bei etwa 98 €. Die Importe aus dem Ausland stiegen derweil an. 19 % mehr Nadelsägerundholz importierten österreichische Betriebe. Die Sorge, dass sich dieses Muster auch 2019 fortsetzen wird, ist begründet. 

Gegenschlag: Bio

Doch was kann die Branche dagegen tun? Wie kann man sich der Klimakrise in den Weg stellen? Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, sieht eine Möglichkeit in der biologischen Forstwirtschaft: „Eine Antwort im Kampf gegen den Klimawandel ist der Ausbau der Bioökonomie. In ihr steckt enorm großes Zukunftspotential. Aktuell leben wir alle auf Kosten der Natur, der Umwelt und der Zukunft unserer Kinder.“ 

Unter diesem Überbegriff versteht man die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern. Das geschieht unter anderem durch die Vermeidung von Kahlschlag auf breiten Flächen. Stattdessen fallen Bäume nur dann, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben und auch dann nicht alle an einem Fleck. 

Ökosystem

Dadurch entsteht ein durchwachsender Wald, in dem alte und junge Bäume Seite an Seite stehen und ein möglichst natürliches Ökosystem bilden. Dazu tragen auch gefällte Bäume bei, die nicht aus dem Wald hinaustransportiert werden. Stattdessen dient dieses Totholz als Lebensraum und Nahrung für eine größere Artenvielfalt. So entsteht unter anderem auch ein natureigener Schutz gegen Borkenkäfer-Plagen, denn in solchen Wäldern siedeln sich auch mehr Vögel an. 

Dieses System des Dauerwaldes ist keine neue Idee einer zunehmend nachhaltigen Denkweise. Der deutsche Forstwissenschaftler Alfred Möller erklärte schon 1922, Wälder würden bei gezielter Pflege der Selbstoptimierungsprozesse des Ökosystems höhere Leistungen bringen als „Altersklassenwälder“. Also jene Wälder, die heute die Norm sind. 

Umsetzbar

Das Prinzip ist nicht nur machbar, sondern anderen Konzepten auch betriebswirtschaftlich überlegen. Das zeigt sich am Lübecker Stadtwald, wo die Förster nur so viel Holz entnehmen, dass er sich natürlich entwickeln kann. Der jährliche Reinertrag liege hier 10–20 % über üblichen Konzepten. 

Nachhaltige Fortwirtschaft wie diese sieht Montecuccoli eben auch für die österreichischen Wälder. Er erklärt aber, dass die Wirtschaft das nicht alleine schaffen kann: „Wir benötigen Unterstützung in der Logistik, Ausbau der Lagermöglichkeiten, Forschung und Züchtung von klima- und schädlingsresistenten Pflanzen und auch die Entwicklung und Zulassung von aktiven Bekämpfungsmaßnahmen gegen Schadorganismen.“ 

Politik muss helfen

Er sieht die Verantwortung hier vor allem in der Politik: „In der Bioökonomie stecken viele Lösungsansätze und die heimischen Land- und Forstwirte sind bereit hier mitzuwirken – sie haben das Know-how und den Grund und Boden dafür. Es braucht aber ambitionierte politische Rahmenbedingungen für die Bioökonomie und eine gelebte Energiewende.“ 

Nur so könne man die Herausforderungen der Klimakrise meistern und auch das dürfe nicht bis morgen oder in zwei Jahren warten: „Wir müssen dringend – sprich jetzt – gegensteuern. Fossile Rohstoffe sind die Hauptursache des Klimawandels, deshalb muss das fossile Zeitalter endlich ein Ende haben.“ (flb)

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