Der deutsche Wald kommt mit Klimastress nicht zurecht und ist anfällig für Schäden. Warum das so ist, zeigt eine aktuelle Kohlenstoffinventur.

Das Inventur-Team des Thünen-Instituts bei der Vermessung im Wald. Foto: Thünen-Institut/Christina Waitkus

Alle zehn Jahre erhebt Deutschland Bundeswaldinventuren (die nächste ist 2022), dazwischen liefert die Kohlenstoffinventur des Thünen-Instituts in Braunschweig Daten über den Zustand des deutschen Waldes. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017 zeigen, dass aus Sicht der Holzindustrie noch viel getan werden muss, um den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. Denn: Der Wald sei zu alt, um auf Klimaveränderungen reagieren zu können.

Zu alt und zu dick

Das hängt damit zusammen, dass es mehr alte und dicke Bäume gibt, der Laubbaumanteil wächst und der Holzvorrat gestiegen ist. Der Anstieg des Holzvorrates hat sich beschleunigt, weil deutlich weniger Holz, insbesondere Fichte, genutzt wurde. Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR) in Berlin sieht darin einen Nachteil in Sachen Klimakrise. „Alte Bäume sind ökologisch wertvoll, aber alte Wälder sind auch besonders anfällig gegen Klimastress infolge langer Dürreperioden wie wir sie in den letzten beiden Jahren erleben mussten“, so Geschäftsführer Denny Ohnesorge. Beispiel dafür seien die Borkenkäfer- und Dürreschäden, welche deutschlandweit über alle Baumarten, aber besonders in älteren Wäldern vorkamen.

Was wäre also zu tun?

Der Wald müsse noch mehr gemischt und mit Baumarten verjüngt werden. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren würden laut AGR viel zu wenig junge Bäume nachgezogen worden sein. Aktuell sei die Forst- und Holzwirtschaft im Ausnahmezustand, „da viele Wälder infolge der Dürre absterben und in kurzer Zeit viel Rohholz auf den Markt kommt“. Die Industrie sei aber auf eine kontinuierliche und planbare Versorgung angewiesen, zudem macht die Qualität des Schadholzes Sorgen.

Lösungsvorschlag

In einer Pressemeldung fordert die AGR ein Umdenken: „Es sollten in Normaljahren mehr alte Wälder genutzt und der Wald mit geeigneten Baumarten verjüngt werden. Nur so kann die Leistungsfähigkeit und Vitalität des Waldes im Klimawandel verbessert und Schadholzereignissen vorgebeugt werden.“ Zu hoffen wäre also, dass wir in Zukunft solche „Normaljahre“ überhaupt noch erleben dürfen. (sis)

Weitere Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017

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