Der Deutsche Wald: Metapher und Sehnsuchtslandschaft in Gedichten, Märchen und Sagen. Zentrales Element der Landschafts- und Landeskultur. Erholungsort und Wirtschaftszweig. Die deutschen Wälder sind auf Grund des globalen Klimawandels bedroht. Uwe Albers, Bewertung von Forsteinrichtungen, Forstbetrieben und Wald, sowie Mitglied im BVS-Fachverband BvFF – Bundesverband Freiberuflicher Forstsachverständiger e.V., gibt Auskunft über die Situation des deutschen Waldbestandes.

Die Bedrohung unserer Wälder in ihrem heutigen Erscheinungsbild ist fatal. Foto: Pexels

Herr Albers, wofür steht der Wald in Deutschland?

Allgemein sind die Ansprüche an den Wald gestiegen. Heute ist der Wald oft intensiv genutztes Erholungsgebiet und dient der Freizeitgestaltung. Natürlich hat auch das Bewusstsein für den Naturschutz zugenommen. Der Wald liefert hervorragendes Trinkwasser und ist Lieferant für den nachwachsenden Rohstoff Holz.

Wie macht sich der Klimawandel in den deutschen Wäldern bemerkbar?

Wir hatten nach einer sehr langen Regenperiode am 18. Januar 2018 den Sturm „Friederike“, danach folgte bundesweit eine monatelange Dürre und Hitze. Und auch in diesem Jahr haben wir in weiten Teilen Deutschlands viel zu wenig Niederschlag. Der Klimawandel macht sich deutlich bemerkbar. Die Folgen für die deutschen Wälder sind gravierend: Massive Schäden in Buchenbeständen, riesige Kahlflächen durch Borkenkäferbefall in Fichte und vertrocknete Wiederaufforstungen auf den entstandenen Kahlflächen. Seit 2018/2019 ist uns allen klar: Hier tut sich was, was unsere Waldökosysteme und unsere Lebensgrundlagen bedroht. Neben den extremen Wetterereignissen werden auch durch die Globalisierung Insekten und Pilze, zum Beispiel aus Asien, eingeschleppt, die unseren Wäldern schaden. Diesen Organismen kommt die gestiegene Temperatur oft zugute. Auf politischer Ebene findet in diesem Herbst in Berlin ein Waldgipfel statt. Hier soll erörtert werden, wie mit der Problematik umgegangen werden muss. Ein Beispiel: Im Harz sind derzeit tausende von Hektar Wald abgestorben. Wir brauchen ein schnelles und langfristig wirksames forstliches Handeln. Regional ist die Lage ernst.

Was können Sie bei Ihrer Tätigkeit im Forst beobachten?

Wie gesagt: Fichte, Eiche und Buche sind als heimische Baumarten bedroht. Diese Dimension ist eine andere als in den 1980iger Jahren, als der sogenannte saure Regen, also saure Emissionen, verantwortlich war. Mit Entschwefelungsanlagen, Katalysatoren und Waldkalkungen war diese Umweltbelastung relativ schnell in den Griff zu bekommen. Wir reden hier von einem globalen Problem, was auch nur global und gemeinschaftlich gelöst werden kann. Die Bedrohung unserer Wälder in ihrem heutigen Erscheinungsbild ist fatal. 150-200 Jahre alte Baumbestände sterben. Der naturnahe Buchenwald im Nationalpark Hainich in Thüringen zeigt schwere Schäden. Forstwirtschaftlich sind die extremen Holz-Massen am Markt eine Herausforderung, insbesondere Fichtenholz. Der Markt kann die Holzmassen nicht aufnehmen, der Preis verfällt. Manchen Waldbesitzern fehlt das Geld zur Wiederaufforstung.

Wo sehen Sie die nächsten Herausforderungen oder Lösungen?

Wir brauchen mehr Mischwälder mit Baumarten, die dynamischer und den extremeren Wetterbedingungen gewachsen sind. Es muss der schon seit den 1980iger Jahren begonnene Waldumbau beschleunigt fortgesetzt werden. Vor allem brauchen wir einen weltweiten Klimaschutz. Hier bei uns fehlt ein politischer und gesellschaftlicher Konsens, wie er zum Beispiel in den skandinavischen Ländern gepflegt wird. Es gibt aber auch Lichtblicke: China baut – neben seiner massiven Umweltbelastung – intensiv alternative Energien aus und forstet entwaldete Gebiete im großen Stil auf. Der Wald ist für unsere Sauerstoffproduktion und das Klima unentbehrlich. Sieht man sich Satellitenaufnahmen an, erkennt man: Die Wälder brennen in den Tropen und in Sibirien. Mit verheerenden Folgen. Mit allen Mitteln und dem konsequenten politischen Willen muss der Naturraubbau gestoppt werden.

Nicht nur für die Umwelt und damit für den Wald entstehen Schäden. Wie sieht es mit der forstwirtschaftlichen Industrie aus?

Wirtschaftlich gesehen sind kleinere Forstbetriebe wegen der Negativfolgen des Klimawandels stark gefährdet. Eine Lösung besteht im Zusammenschluss zu größeren Forstgemeinschaften und in der öffentlichen Unterstützung eines naturnahen Waldbaus. Die Forstwirtschaft ist ein riesiger Industriezweig. Zählt man im Cluster Forst und Holz alle weiterführenden Verarbeitungs- und Produktionsbetriebe dazu, so ist die industrielle Bedeutung größer als die der Autoindustrie.

Welche Maßnahmen würden Sie empfehlen? 

Wir brauchen allgemein einen Bewusstseinswandel in unserer Lebensführung. Kostengünstige und zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel, der Ausbau des Schienennetzes, mehr bewusste Ernährung sind einige Ansatzpunkte. Generell kann ich mich in der Klimadiskussion nur anschließen: Wir gewinnen beim Klimaschutz mehr als wir verlieren. Es wird zu viel über Verzicht gesprochen. Es geht um eine Veränderung der Prioritäten im Leben, da kann jeder persönlich gewinnen. Wir dürfen nicht vergessen: Wir brauchen die Natur. Die Natur braucht uns nicht. 

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