Neue Erkenntnisse zu Dürreeffekten im Gebirgswald zeigen: Baumstämme ziehen sich bei Trockenstress zusammen und die Bäume wachsen langsamer.

Obwohl im Gebirgswald selbst in Dürrejahren so viel Niederschlag fällt wie in anderen Regionen Österreichs in einem durchschnittlichen Jahr, geraten die Bäume in Trockenstress. Foto: ÖBf-Archiv/W. Simlinger

Lange Trockenperioden haben auch in den feuchten Gebirgswäldern Österreichs Auswirkungen auf Baumwachstum und Kohlenstoffbindung, so die Österreichischen Bundesforste ÖBf in einer Aussendung. Diese Erkenntnisse konnten im Forschungsstandort Zöbelboden, der gemeinsam vom Umweltbundesamt, den ÖBf und dem Nationalpark Kalkalpen betrieben wird, gewonnen werden. Die Folgen seien nicht sofort sichtbar, denn einzelne Trockenjahre verringerten den jährlichen Stammzuwachs einzelner Bäume nur minimal.

„Ein schleichender Prozess, der aber messbar ist und die Kohlenstoffbindung im Wald beeinträchtigt“, erklärt Monika Mörth, Geschäftsführerin des Umweltbundesamtes. Die Auswirkungen lassen sich erst mit zeitlicher Verzögerung messen, denn Stressschäden an Wurzeln und Wasserkanälen im Stamm benötigen Zeit zur Reparatur. Mit einer dem Standort angepassten Baumartenmischung könne aber gegengesteuert werden, so Mörth.

Messungen des Stammumfangs mit Hilfe von sehr sensiblen Baumumfangssensoren, so genannten Dendrometern, zeigen, wie sich wiederholte Dürreperioden im Wachstum auswirken: Sie können Umfangsänderungen eines Baumes im Millimeterbereich ermitteln. Bei Trockenheit nimmt der Stammumfang ab, der Baum zieht sich förmlich zusammen und dehnt sich erst wieder aus, wenn der Flüssigkeitshaushalt wiederhergestellt ist. Die Messergebnisse zeigen, dass die Bäume am Zöbelboden im Trockenjahr 2018 viel häufiger unter Trockenstress standen als im feuchteren Jahr 2019. Über einen Untersuchungszeitraum von zwanzig Jahren habe sich das jährliche Stammwachstum von 3.080 Kilogramm pro Hektar aufgrund von Dürren auf 2.760 Kilogramm pro Hektar verringert, so die ÖBf.

Mit dem Abnehmen des Stammwachstums verringert sich auch die Klimaschutzleistung, da weniger Kohlenstoff im Baum gebunden werden kann. Umgerechnet wurden in den letzten 20 Jahren am Zöbelboden um rund 1,6 Tonnen weniger Kohlenstoff pro Hektar im Stammholz gebunden. Dazu kommen weitere Effekte von Trockenheit und Hitze, die die Klimaschutzleistung des Waldes verringern. Um dem entgegenzuwirken, haben die ÖBf bereits damit begonnen, die Wälder an den Klimawandel anzupassen und umzubauen. „Mischwälder puffern Dürreeffekte gut ab, da indirekte Folgen von Trockenstress wie etwa eine höhere Anfälligkeit für Schädlinge, nur eine Baumart betreffen und nicht den ganzen Bestand“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der ÖBf. (cst)

Österreichische Bundesforste ÖBf

Umweltbundesamt

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