Die Lehre hat ein Imageproblem – viele offene Lehrstellen bleiben unbesetzt. Kann man mit einem spannenden Lehrangebot dem Fachkräftemangel entgegen wirken? 10 Tipps für die Ausbildung im Holzbaubetrieb aus der Berufsschule Linz II.

Fachkräfte sind aktuell Mangelware. Mit einigen Tipps machen Sie Ihren Lehrbetrieb attraktiver. Foto: Unsplash

Tipp 1: Lehrplan im Betrieb erstellen

Von der Lehrlingsakquise bis zur Lehrabschlussprüfung – am besten funktioniert die Ausbildung mit einem stringenten Plan. Wie in der Schule benötigt ein ausbildender Betrieb einen Lehrplan, der für Lehrling und Ausbildner, aber auch für die Eltern, transparent einsehbar ist. Das bedarf konkreter Ziele und einer regelmäßigen Überprüfung auch abseits der Prüfungen in der Berufsschule.

Tipp 2: Beruf und Schule verbinden

Der Lehrbetrieb ist für 80% der Ausbildung verantwortlich, die restlichen 20% werden in der Berufsschule gelehrt. Zimmermeister Oskar Redhammer, zuständig für die Zimmereilehre in der Berufsschule Linz II, sieht großes Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufsschule, sowie mit den Eltern: „Im Idealfall kommen Eltern bei Schwierigkeiten ohne Angst auf den Betrieb zu. Das kann so weit gehen, dass auch bei persönlichen Schwierigkeiten Rat im Unternehmen gesucht wird.“

Tipp 3: Aktiv auf Akquise begeben

Lehrlinge finden sich nicht von selbst: Betriebe müssen aktiv auf potenzielle Nachwuchstalente zugehen. Die findet man in den Mittelschulen und polytechnischen Schulen oder auf Karrieremessen. Ein attraktives Schnupperangebot gibt für potenzielle Lehrlinge praktische Einblicke ins Unternehmen und zeigt auf, welche Aus- und Weiterbildungen im Beruf möglich sind.

Tipp 4: Attraktives Angebot bieten

Abgesehen von der Ausbildung während der Lehrzeit sollte der Betrieb auch Weiterbildungen während und nach der Lehre anbieten. Das kann die Lehre mit Matura sein, die Möglichkeit auf ein Fachstudium in Bildungsteilzeit oder die Ausbildung zum Meister nach der abgeschlossenen Lehre. Ein attraktives Angebot verbreitet sich besser als jede Werbung: „Wenn Betriebe den schönen Worten auch Taten folgen lassen, lässt der gute Ruf nicht lange auf sich warten“, sagt der Ausbildner für Zimmereitechnik und Fertigteilhausbau.

Tipp 5: Regelmäßig Feedback geben

Nicht nur am Ende der Lehre, auch zwischendurch wollen Lehrlinge durch konstruktive Kritik wissen, wie gut sie sich machen. Bei schlechten Noten in der Berufsschule ist es eine Möglichkeit, kostenlos Nachhilfe im Unternehmen anzubieten. Jour Fixe und wiederkehrende Termine bieten einen Rahmen, um den Lehrlingen in regelmäßigen Abständen Feedback geben zu können.

Tipp 6: Persönliche Kompetenzen trainieren

Zur vielfältigen Ausbildung gehört auch, persönliche Kompetenzen zu finden und zu fördern. Das sind Pünktlichkeit, Freundlichkeit, kollegiales Verhalten auf der Baustelle, das Auftreten im Betrieb und in Zusammenarbeit mit anderen Betrieben sowie eine gewählte Sprache insbesondere im Kundenkontakt. Gerade hier ist ein sensibler Umgang mit den Lehrlingen nötig und das Vorausgehen mit gutem Beispiel.

Tipp 7: Ansprechpersonen bieten

Jedes ausbildende Unternehmen – egal welcher Unternehmensgröße – braucht ab dem ersten Lehrling einen Lehrlingsbeauftragten. Diese Person ist eine Vertrauensperson, an die sich Lehrlinge jederzeit wenden können. Eine Lehrlingsmappe behält zusätzlich den Fortschritt der Lehrlinge im Auge und ist für Eltern, Lehrlinge, Ausbildner und auch die Berufsschule einsehbar.

Tipp 8: Austausch ermöglichen

Mit anderen Betrieben effizient zusammenarbeiten zu können sollte bereits in der Lehre vermittelt werden. Oft sind Unternehmen auch spezialisiert oder können nicht sämtliche Aspekte des Berufslebens abbilden, daher empfiehlt Redhammer betriebsübergreifende Kooperationen: „Insbesondere kleinere Betriebe könnten sich mit größeren Leitbetrieben zusammentun um eine möglichst diverse Lehre zu ermöglichen.“

Tipp 9: Traditionelles Handwerk lehren

CNC-Fräsen, 3D-Druck, digital unterstützte Zeichenprogramm und Building Information Modelling – die Praxis traditionellen Handwerks darf neben all der Digitalisierung nicht vergessen werden, meint Oskar Redhammer: „Neben dem modernen Holzbau ist es ein Bonus, den Lehrlingen auch das traditionelle Handwerk beizubringen.“ Lehrwerkstätten sind für einen Betrieb alleine oft nicht leistbar. Um das zu ermöglichen könnte eine Lehrwerkstätte in Zusammenarbeit mit anderen Betrieben realisiert werden.

Tipp 10: Motivieren und Karrieremöglichkeiten aufzeigen

Aufstiegsmöglichkeiten binden Mitarbeiter an ein Unternehmen. Ein Karrierebaum kann explizit aufzeigen, in welchen Bereichen ein Lehrling nach der Lehre aufsteigen kann. Messbare Zwischenziele sollten den Weg zum Karriereziel anschaulich machen. Facharbeiter, Meister, Ingenieur im Zuge einer Ausbildung an Bauhandwerksschulen oder eine Fachhochschule oder Universität nach der Lehre mit Matura – so schult man Topleute im Marketing, im Verkauf, in der internen Kommunikation. „Das sollte man aufzeigen und den Lehrlingen transparent ermöglichen“, empfiehlt Redhammer.

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