Mit einem Konzept der TH Rosenheim für die Möbellogistik sollen Leerkilometer und Emissionen entlang der Lieferkette reduziert werden.

Durch das neue Maßnahmenpaket sollen gezielt Leerkilometer eingespart und die Zahl der Direktlieferungen erhöht werden. Foto: pexels

In Zusammenarbeit mit sechs Unternehmen der Möbellogistik arbeitet die Fakultät für Holztechnik und Bau der Technischen Hochschule Rosenheim in Deutschland aktuell an der Umsetzung eines Konzepts, bei dem Leerkilometer stark reduziert und bisher nicht genutzter Laderaum verfügbar gemacht werden kann. Wichtiger Teil hiervon sind Rundläufe, also die Beladung des Transportfahrzeugs auf dem Hin- und Rückweg.

Umfrage zeigt Optimierungspotential

Begonnen hat das Projekt im Mai 2020 mit einer Umfrage über Probleme mit der Logistik bei Möbelhersteller*innen, -händler*innen und -speditionen. Eine Bachelorarbeit des Studenten Christian Schaal unter der Betreuung der Professor*innen Holly Ott und Andreas Heinzmann greift die Ergebnisse auf und entwickelt das neue Konzept.

Im vergangenen halben Jahr wurde nun ein Maßnahmenpaket entwickelt, wodurch Leerkilometer eingespart und die Zahl der Direktlieferungen erhöht werden kann. Neben den Kostensenkungen werden eine niedrigere Reklamationsquote und die Verringerung von Fahrzeugemissionen erwartet. Das entwickelte Konzept soll nun von Partner*innen aus der Industrie in einem Pilotprojekt in der Praxis erprobt werden.

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TH-Rosenheim-Student und Konzeptentwickler Christian Schaal gemeinsam mit seiner Bachelorarbeit-Betreuerin Holly Ott. Foto: Julia Hinterseer

Das Konzept: Rückladungen durch Partnerschaften

„Durch Kooperationen zwischen Speditionen und Hersteller*innen können Frachten früher und gezielter vermittelt werden“, heißt es in der Konzeptbeschreibung. „In der Auslieferregion kann von einer*einem Partner*in eine Rückladung abgeholt werden, die wiederum für Kund*innen in der Heimatregion bestimmt ist. Gleichzeitig können durch die Einbindung von Umzugsplattformen und Paketdiensten besonders kleine Kommissionen kostengünstiger versendet werden.“ Dadurch könnten somit Abladestellen, die Tourdauer oder gesamte Touren reduziert werden.

Wo kann eingespart werden?

In Vorbereitung darauf wurden mit einem Simulationsmodell erste Prognosen über die Einsparpotenziale gemacht. Dazu wurden Tourdaten von belieferten Kund*innen in ganz Deutschland aus dem vergangenen Jahr einmal im Ist- und im Soll-Zustand verwendet. Im Soll-Modell wird die Umsetzung des Konzepts simuliert: Sind in den Anlieferregionen Partnerfabriken ansässig, wird dort eine Rückladung aufgenommen und in der Heimatregion der Hersteller*innen ausgeliefert.

„Die Simulation zeigt, dass der Anteil der Leerkilometer von 24 % auf 8 % reduziert werden konnte. Kosten für Leerfahrten werden damit deutlich reduziert. Mit erhöhter Auslastung der LKWs können im Simulationsbeispiel 24 % der gesamten Emissionen eingespart werden.“

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In der Simulation wird das neue Konzept mit dem aktuellen Zustand verglichen, um Einsparungen in der Möbellogistik abzuschätzen. Grafik: Christian Schaal

Weitere Verbesserungen: Laderaum, Fahrzeuge, Warenart

Daneben werden weitere Problemfelder adressiert: potenzieller Laderaum, der dringend benötigt wird, könnte auf diese Weise verwendet werden. „Wenn für den bisher leeren Rückweg die Waren der Partner*innen geladen werden, stehen die eigenen Fahrzeuge für weitere Touren zur Verfügung. Die wertschöpfenden Tätigkeiten der Fahrer*innen können gesteigert werden“, so das Konzept.

Die Simulation zeige, dass Touren eingespart werden könnten. Insbesondere Waren mit geringem Volumen könnten gesondert abgewickelt werden: „Statt mit 40-t-LKWs und Zwei-Personen-Besatzung wird als Rückladung über Umzugsunternehmen und mit Paketdiensten ausgeliefert. Die Umzugsunternehmen profitieren durch die Auslieferung der bisherigen Leerfahrt genauso wie die Hersteller*innen, für die die Auslieferstellen ihrer Touren reduziert werden. Damit können diese Abladestellen von den Touren ausgenommen werden.“

Außerdem würden bei diesem Konzept die Warenumschläge und die Auslieferungszeit reduziert werden, indem die Ware auf direktem Weg zu Händler*innen geliefert werden soll. „Durch dieses System werden die Transportschäden und Reklamationen reduziert“, so die Annahme. „Es werden nicht nur die erneute Produktion und Auslieferung von Einzelteilen vermieden, sondern auch eine kundenfreundliche Auftragsbearbeitung gewährleistet.“

Start der Umsetzung

Mit anfangs zwei Partnerunternehmen begann Mitte Februar die Umsetzung des Möbellogistikkonzepts. Bis Mitte des Jahres 2021 wird es auf alle kooperierenden Unternehmen erweitert.

(sis)

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