Russland war für Österreichs Holzindustrie – bisher – ein ganz wichtiger Partner. Jetzt muss alles überdacht werden.
Update 3.3.2022, 18:37 

Holz
Die Holzwirtschaft hat Mühe, ihre Produkte nach Europa zu bringen. Hier ein Werksfoto aus Brasov, Rumänien. Foto: Herbert Starmühler

Holz aus Russland – des Dramas letzter Akt? Nach Jahrzehnten des – oft mühsamen – Aufbaus von Handelsbeziehungen, Niederlassungen und Logistiken droht jetzt vieles zusammenzubrechen. Schon allein die Logistik kann ein Problem werden. Denn wie können Holzlieferungen über kriegsführende Länder transportiert werden?

Die Hasslacher Norica Timber Gruppe betreibt seit 25 Jahren in Malaya Vishera, südöstlich von St. Petersburg, ein Sägewerk mit 250 Mitarbeitern. Noch ist die Produktion aufrecht, berichtete Firmenchef Christoph Kulterer der Kleinen Zeitung. Zahlungen für die Kunden würden über Österreich laufen.

Hasslacher Gruppe: 20 Millionen Euro Investment in Russland

Anlässlich des Staatsbesuches des russischen Präsidenten Putin am 5. Juni 2028 in Wien, hatte Christoph Kulterer als CEO der Hasslacher Gruppe mit Andreij Nikitin als Gouverneur der Region Novgorod die Absichtserklärung ein prioritäres Investitionsprojekt in Russland umzusetzen, unterzeichnet. Die Hasslacher Gruppe beabsichtigte mit ihrem russischen Tochterunternehmen OOO HasslacherLes am Standort Malaya Vishera rund 1,5 Mrd. Rubel (20 Mio. Euro) in den Ausbau der Säge und die Weiterverarbeitung zu investieren – was in der Folge auch geschah.

Hasslacher betreibt nun dort neben den Aktivitäten im Forst und der Rundholzbeschaffung in Malaya Vishera ein Sägewerk, ein Hobelwerk und eine Pelletsproduktion. Der Einschnitt des russischen Sägewerks wird von derzeit 200.000 fm auf 400.000 fm erhöht. Zusätzlich sollen ca. 50.000 m³ Leimholzprodukte vor allem für den Export nach Übersee produziert werden.

Und jetzt? Das Werk arbeitet vorerst normal weiter, die Zahlungen laufeneben über Österreich, doch die Zukunft ist unklar, schon weil viele ukrainischen Lastwagenfahrer nicht mehr verfügbar sind. Mutmaßlich sind die meisten von ihnen mittlerweile in den Kriegsdienst eingetreten.

Logistik-Problem: Grenzübergänge geschlossen

„Im Februar 2022 wurden einige Grenzübergänge in die EU geschlossen und die Abfertigungsmöglichkeiten für Holz damit stark eingeschränkt“, teilte der Gesamtverband Deutscher Holzhandel dem deutschen Fachportal Logistik Heute auf Nachfrage mit. „Vor den noch wenigen geöffneten Grenzstellen kommt es zu massiven Verzögerungen, insbesondere in St. Petersburg. Zudem fehlt es an Containern und Fahrern, um die Ware zu transportieren“. Auch an der polnischen Grenze komme es zu massiven Staus, da russische Exporte nachgelagert behandelt würden.

J. u. A. Frischeis: Beobachten Lage intensiv– Störungen wahrscheinlich

J. u. A. Frischeis, bzw. die JAF Gruppe, ist in vielen Ländern Osteuropas tätig, auch in den betroffenen
Gebieten. In der Unternehmenszentrale in Stockerau verfolgt man die Lage seit Anbeginn intensiv: „Derzeit
können wir die Auswirkungen auf unsere Warenströme noch nicht voll umfänglich abschätzen. Störungen in
unserer Lieferstruktur sind aber wahrscheinlich. Wir überprüfen täglich inwieweit Produkte bzw. Lieferanten
von den Entwicklungen betroffen sind. Auch die Transport- sowie Finanztransaktionswege haben wir im
Blick“, so Werner Stix, Geschäftsführer von JAF.

J. u. A. Frischeis, bzw. die JAF-Gruppe, ist in vielen Ländern Osteuropas tätig, so auch in Russland. In der Nizhnyaya Syromyatnicheskaya in Moskau gibt es einen Frischeis-Schauraum, das Zentrallager in der Krasnopachorskoe poselenie, Krasnaya.

Mayr-Melnhof: Produktion bereits eingestellt

Die Mayr-Melnhof Karton AG ist mit einem - im Vergleich zur Unternehmensgröße - kleinen Standort in der Ukraine vertreten, wo Verpackungen hergestellt werden. „Donnerstagfrüh haben wir dort die Produktion eingestellt“, sagt Unternehmenssprecher Stephan Sweerts-Sporck zur „Kronenzeitung“. Im Betrieb sind Mitarbeiter aus der Region beschäftigt. Man hat aber auch eine Niederlassung in Russland.

Ebenfalls in Russland tätig ist die Mayr-Melnhof Holz Leoben GmbH - und zwar mit einem Sägewerk. „Derzeit sind wir von den Sanktionen unbeeinflusst. Man muss jetzt abwarten, ob es Auswirkungen gibt, und wenn ja, welche“, sagt Vorstandsvorsitzender Richard Stralz. Man hofft natürlich, dass der Betrieb weitergehe.

Bügelbretter: 20 Jahre Aufbau ind Gefahr

Die Kleine Zeitung berichtete von einem, der schon weiß, dass es ziemlich schlimm ist: „Die Bügeltische, die das Kärntner Brüderpaar Nils und Tobias Grolitsch in der Ukraine produzieren lässt, sind ein europaweiter Verkaufsschlager und bestplatziert in diversen Produkttests. Seit 20 Jahren betreiben sie ihre Eurogold Industries Ltd in Zhytomyr, einer Stadt mit 270.000 Einwohnern, 120 Kilometer westlich von Kiew.

Und haben es geschafft, das Unternehmen zum größten Hersteller von Bügelbrettern in ganz Europa zu machen. Beide leben in der Ukraine und sind zur Zeit ob der zugespitzten Lage „permanent in Sitzungen und für ein Telefongespräch nicht abkömmlich", wie es aus der Eurogold Handels GmbH heißt, die in Techelsberg bei Pörtschach ihren Sitz hat.“ (Kleine Zeitung)

Preissteigerungen dürften folgen

Was im vergangenen Jahr schon als worst-case-scenario betrachtet wurde, könnte sich in diesem Jahr wiederholen. Die Preise für Holz könnten steigen. Genauso wie jene für andere Bauprodukte, die infolge des Krieges Lieferschwierigkeiten aufweisen werden. Schon haben einige Produzenten von Dämmstoffen und Verlegeplatten Preiserhöhungen von 8 bis 24 % angekündigt. Mit März 2022. 

(hst)

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