Die Auswirkungen auf Europa werden sichtbar: Holz aus dem Osten wird knapp oder nicht mehr geliefert. Welche Preise steigen werden.

Holztransport
Wie viel Holz kommt noch über die Grenzen (hier an der tschechisch-österreichischen in Grametten/NÖ). Foto: Herbert Starmühler

Straßen gesperrt, Betriebe geschlossen, LKW-Fahrer im Kriegsdienst – so lässt sich die Lage am einfachsten zusammenfassen. Der Einmarsch der Russen zur „Militärischen Spezialoperation“ (c: Wladimir Putin) lässt Hoffnungen zusammenbrechen und Preise steigen. 

Das fängt schon bei den heimisch verfügbaren Dingen an: Bei Brennholz zum Beispiel. Jakob Müller verkauft Brennholz im Unterallgäuer Ettringen-Höfen. So viele Nachfragen wie jetzt habe er zu dieser Jahreszeit sonst nicht auf dem Tisch, verriet er dem auf der Plattform BR24: „Kunden wollten wissen, ob es überhaupt noch Holz gibt und wie sich die Preise entwickeln würden. Manche orderten auch gleich Brennholz. Die Nachfrage sei jedenfalls ungewöhnlich hoch für diese Jahreszeit.“ Offenbar versuchen viele, sich gegen drohende Gasabschaltungen zu wappnen. 

Run aufs Brennholz hat begonnen

Auch der Füssener Brennholzverkäufer Christian Sichler wird im obigen Bericht zitiert. Normalerweise liefert er sein Holz vor allem im Spätsommer aus. Angesichts der Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg machten schon jetzt viele Hausbesitzer ihr Holzlager voll, sagt er. Ein Ster Hartholz (ein Kubikmeter Rund- bzw. Scheitholz) koste im Moment etwa 110 Euro. Sichler rechnet mit weiter steigenden Preisen.

Preise fürs Brennholz könnten steigen

Höhere Sprit- und Frachtkosten werden sich am Ende auf die Brennholzpreise niederschlagen. Warum aber Pellets teurer werden erschließt sich den Endnutzern noch nicht in völliger Klarheit. Schließlich unterstrich Christian Rakos, Geschäftsführer des Interessensverbandes Pro Pellets Austria, darauf, dass Pellets in Österreich regional produziert werden, weil überall im Land Pelletswerke existieren? Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine registrieren viele Händler eine deutlich höhere Nachfrage nach den Heizpellets aus Holz. Die Nachfrage treibt also den Preis. Eher wohl als Transportkosten für 100 Kilometer Anfahrt. 

Wie wird sich China entscheiden?

Laut dem US-amerikanischen Branchendienst Wood Ressources International (WRI)  importierte China im Jahr 2020 fast 6,5 Millionen m3 Rundholz aus Russland, überwiegend Nadelholzarten. Der Handel war allerdings wesentlich geringer als in den Jahren davor. Dennoch war Russland im Jahr 2020 immer noch der größte Lieferant von Laubholz nach China (wichtiger als jede andere Quelle für gemäßigtes oder tropisches Holz) und der drittgrößte Lieferant von Nadelholz.

WRI schreibt: „Es ist wichtig zu bedenken, dass China in den letzten Jahren von der Beschaffung von Rundholz aus Russland zu europäischen Lieferanten übergegangen ist, da von Insekten befallenes Holz in Mitteleuropa vorübergehend im Überfluss vorhanden war."

China verzehnfachte die Holzimporte aus Europa

Von 2018 bis 2020 stiegen die Nadelholz-Rundholzimporte aus Europa von 1,3 Millionen m3 auf 12,3 Millionen m3, während die aus Russland gelieferten Rundholz von 7,8 Millionen m3 auf 4,2 Millionen m3 zurückgingen. Transporte aus Europa seien jedoch langfristig nicht tragbar. Eine gerade veröffentlichte Studie der Beratungsunternehmen Wood Resources International und O'Kelly Acumen (Russian Log Export Ban in 2022 – Implications for the Global Forest Industry) kommt zum Schluss, dass China zwar kurzfristig mehr Sägeholz aus Ozeanien, Europa und den USA beziehen wird. Längerfristig geht die Studie davon aus, dass China wahrscheinlich vom Import von Rundholz auf Schnittholz umsteigen wird und damit Möglichkeiten für Holzhersteller, hauptsächlich in Europa und Russland, schaffen wird, die Lieferungen in diesen wachsenden Markt zu erhöhen.

Somit hat das holzhungrige China nun die Wahl zwischen dem kriegführenden Russland und den Europäern (mit den USA als Verbündetem). Wie immer sich China entscheidet, die Nachfrage wird steigen, der Preis vermutlich ebenso.

Weltweit wird Rundholz fehlen

Die deutsche „forstpraxis.de“ sieht die Lage so: „Die ohnehin schon in Kraft befindlichen Exportverbote für Rundholz aus beiden Ländern – bei der Ukraine schon seit 2016 – dürften sich durch den Krieg verschärfen. Die österreichische HS Timber hat sie als Grund für die Schließung seines Sägewerks Radauti angeführt, das sich in Rumänien in Grenznähe zur Ukraine befindet. Ein Szenario ist, dass China seinen Holzhunger aufgrund ausbleibender Mengen aus Russland ab sofort stärker in Europa stillen wird.

Inoffiziell ist zu hören, dass die Umsetzung des russischen Exportverbots selbst Richtung Westen nur halbherzig erfolgt. Da Russlands Präsident Putin die Verbrüderung mit China sucht, kann man sich vorstellen, dass das Exportverbot in diese Richtung möglicherweise gar nicht umgesetzt wird. Die weitere Marktentwicklung bleibt also abzuwarten.“ (fortspraxis.de, 1.3.2022).

SWIFT erschwert den Holzhandel enorm

Der Ausschluss russischer Banken aus dem SWIFT-System macht nun Zahlungsverkehre sehr umständlich, wenn nicht unmöglich. So sieht Wood Resources International (WRI) den Welthandel in den kommenden Monaten beeinträchtigt. Lieferungen von Forstprodukten in aller Welt müssen gestoppt und umgeleitet werden. Der Handel mit Russland werde drastisch zurückgehen.

Was das bedeutet, kann man sich ausmalen, wenn man sich die Dimension vor Augen hält: 2021 war Russland mit einem Wert von 5,8 Mrd. US$ der größte Exporteur von Nadelschnittholz weltweit. Der Exportwert aller Forst- und Holzprodukte belief sich auf gut 12 Mrd. US$.

Weniger Material – höhere Preise

Da kommt einiges zusammen – und wird auch die nachgelagerten Industrien in Deutschland, Österreich, Europa treffen „Durch den Ausfall von Rohstofflieferungen und Arbeitskräften sind indirekte Auswirkungen auf die deutschen Importe von Holzprodukten, Möbeln und Möbelteilen aus den Nachbarländern der Ukraine, wie Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien, zu befürchten“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates, Denny Ohnesorge, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Diese Versorgungsprobleme in den Anrainerstaaten „dürften die Materialverfügbarkeit einschränken und auch hierzulande preistreibend wirken". Denn es sei damit zu rechnen, "dass die Produzenten sich um eine Rohstoff- und Materialversorgung auch in Deutschland bemühen werden", erläuterte Ohnesorge.

(hst)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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