Modellrechnungen zufolge könnte das Wachstum von Buchen je nach Klimaszenario und je nach Region in den kommenden 70 Jahren zwischen 20 und über 50 Prozent zurückgehen.

Angesichts der Prognosen seien laut Studienautor:innen Maßnahmen zur Anpassung der Wälder dringend erforderlich, um schwerwiegende ökologische und wirtschaftliche Konsequenzen abzufedern. Foto: © Edurne Martinez del Castillo

Im Rahmen einer Studie der deutschen Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurden gemeinsam mit Kooperationspartnern an 324 Standorten in ganz Europa vom Norden Schottlands bis zum griechischen Festland über 780.000 Baumringmessungen an 5.800 Bäumen vorgenommen. Anhand dieser Daten konnten die Wachstumsraten der Bäume in den vergangenen sechs Jahrzehnten analysiert und darauf aufbauend die wahrscheinliche Entwicklung in der Zukunft prognostiziert werden.

Die Ergebnisse zeigten für die Untersuchungszeiträume von 1955 bis 1985 und von 1986 bis 2016 starke räumliche Unterschiede, so die Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer Aussendung. Die Wachstumsrate eines Modellbaums sei in den vergangenen sechs Dekaden in niedrig gelegenen Gebieten Nordwest- und Mitteleuropas wie den Küstenregionen in Belgien, den Niederlanden, Dänemark und auf den Britischen Inseln zwei- bis dreimal höher als an der südlichen Verbreitungsgrenze gewesen.

Ein Vergleich der beiden 31-jährigen Perioden ergebe einen bemerkenswerten Rückgang des Baumwachstums in fast allen Verbreitungsgebieten, heißt es weiter. Den stärksten Kontrast zeige die Modellierung zwischen dem nördlichen Europa mit Schweden und Norwegen, wo das Wachstum plus 20 Prozent beträgt, und dem südlichen Europa, wo starke Wachstumseinbußen von bis zu 20 Prozent berechnet wurden.

Anhand zweier weitverbreiteter Szenarien der Klimaforschung wurde die voraussichtliche Entwicklung in den kommenden 70 Jahren bis 2090 kalkuliert. Selbst bei einem relativ optimistischen Szenario mit einem angenommen Temperaturanstieg um ein Grad Celsius bis 2090 zeige sich dabei in Südeuropa im Zeitraum 2020 bis 2050 eine starke Wachstumsreduktionen um bis zu 30 Prozent im Vergleich zur Periode 1986 bis 2016. Im pessimistischen Szenario mit einer Erwärmung um fünf Grad Celsius ginge die Produktivität der Buchen in den meisten Wäldern Mitteleuropas stark um 20 bis 30 Prozent zurück, in Südeuropa könnten die Einbußen sogar über 50 Prozent betragen. Obwohl im Norden und in Berggebieten ein positiver Wachstumstrend zu erwarten wäre, seien die Zuwächse aber weder räumlich noch in absoluten Zahlen so groß wie die Verluste. (cst)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz 

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