Mehr Zeit ist die neue Gehaltserhöhung: Ab 1. September arbeiten die Mitarbeiter einer deutschen Holz- und Furnierfirma nur mehr vier Tage pro Woche.

Das Team von Osenstätter freut sich auf die Viertage-Woche. Foto: Osenstätter

Jeden Freitag frei. Das ist das Angebot, das der 31-jährige Nico Osenstätter, Geschäftsführer der gleichnamigen Holz- und Furnierfirma in Schongau in Oberbayern seinen Angestellten macht. Den einen, damit sie bleiben, den anderen, damit sie kommen.

Denn er habe lange nachgedacht, wie er dem Wettbewerb um Fachkräfte gewinnen könnte, sagte er dem Münchner Merkur: „Wenn wir ganz ehrlich sind: Gerade in Oberbayern sind die Gehälter hoch genug. Sie decken die Kosten fürs Wohnen, fürs Leben, das Auto, den Urlaub. Der wahre Luxus ist freie Zeit“. Genau das ist das Angebot: Die Mitarbeiter bei Osenstätter arbeiten bald weniger für das selbe Geld – und haben jeden Freitag frei.

Unternehmen überbieten sich mit Angeboten für Fachkräfte

Angesichts des immer stärker werdenden Fachkräftemangels in der Region überbieten sich die Unternehmen bei der Bezahlung neuer Mitarbeiter. Und am Ende bewirbt sich doch kaum jemand. Früher, da sei alles noch anders gewesen. Da buckelte man sich ab, schob Überstunden – die Gehaltserhöhung lockte, vielleicht der Dienstwagen, ein Firmenhandy.

Heute wollen die Menschen ein faires Leben, Zeit für Familie und Leben verbringen und nicht permanent dem Erfolg oder dem Geld nachrennen müssen. Ergebnisse in ersten Modellversuchen habe gezeigt: Die Motivation der Mitarbeiter steigt, die Produktivität nimmt zu, die Leute sind weniger gestresst und Burn-Out ist eigentlich kein Thema mehr.

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, freie Wochenenden – auch in den Handwerksbranchen müssen also die Unternehmer:innen darüber nachdenken, um möglich zu machen, was bisher unmöglich schien.

Gute Auslastungen, Edelholz für New York

Bei Osenstätter läuft es übrigens super, berichtete merkur.de: die feinen Furniere, die auf dem Schongauer Firmengelände hergestellt werden, sind weltweit gefragt. In den Werkstätten entstehen gerade Tische, Eimer und Tabletts aus Edelholz für den neuen Wolkenkratzer „The Spiral“, der in New York gebaut wird.

Abstimmung bei Betriebsversammlung: „Kein einziger, den ich gefragt habe, war dagegen“

Im Juli gab es dann eine wegweisende Betriebsversammlung. Osenstätter stellte sein neues Modell vor. Bislang haben die 45 Mitarbeiter im Unternehmen 41,5 Stunden pro Woche gearbeitet – von Montagmorgen bis Freitagmittag. In Zukunft arbeiten sie – bei gleichem Gehalt – nur noch 38 Stunden pro Woche. Sie arbeiten dabei täglich eine halbe Stunde mehr. Dafür haben sie jeden Freitag frei. „Kein einziger, den ich gefragt habe, war dagegen“, so der Firmenchef.

Kein Wunder, wenn man ihn so schwärmen hört: „Das ist schon schön. Wir arbeiten von 7 Uhr morgens bis 17.15 Uhr – eine Dreiviertelstunde ist dabei Mittagspause. Stellen Sie sich mal vor: Sie machen am Donnerstag um 17.30 Uhr Feierabend, dann springen Sie ins Auto. Um 22 Uhr sind sie am Gardasee. Und dann haben sie drei volle Tage Kurzurlaub, ohne einen einzigen Urlaubstag zu nehmen.“

Website Osenstätter

Bericht im Münchner Merkur.

(hst)

 

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