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Nicht immer ist die beste Technik die beste Lösung. Florian Nagler von der TU München verwies auf unterschiedliche Häuser bei deren die Haustechnik die Hausbewohner bisweilen überfordert. Und der Architekt Andy Senn baute eine Low-Tech-Schule.

Andy Senn präsentierte Kunst am Bau und einfache Oberlichten-Kurbelsteuerung in Salez. Foto: Starmühler
Andy Senn präsentierte Kunst am Bau und einfache Oberlichten-Kurbelsteuerung in Salez. Foto: Starmühler

Die Präsention von Florian Nagler zeigte einen Versuch, drei Haustypen zu untersuchen und sie möglichst einfach umzusetzen: Holz, Ziegel und Beton. Das Holzhaus hat massive 30-Zentimeter-Aussenwände, Beim Betonbau verzichtete man auf Stahlgitter sindern nahm stahlfaserbewehrte Betondecken. Rundbogenfenster, Lastabtragen über Druck, Abdichtung nach unten mit Sockel und andere Spezialitäten verbaute Florian Nagler in seinem Forschungsprojekt.

Drei Häuser in Bad Aibling
Baulich umgesetzt wurde das Experiment mit drei baugleichen Häusern mit drei unterschiedlichen Baustoffen in Bad Aibling. Einzimmer, zwei- und Dreizimmerwohnungen sind überall gleich. Beim Holzbau wurde die Speichermasse erhöht, indem eine massive Decke eingeführt wurde (simpel: 30 Zentimeter Beton und Teppich, kein Estrich). Derzeit (dez. 2019)  ist das Projekt im Rohbau.

Low Tech in Salez
Salez ist ein kleines Dorf mit 600 Einwohnern, nicht allzuweit von St. Gallen entfernt. Hier setzte der Architekt Andy Senn  (Andy Senn Architektur, St. Gallen) den Zubau des Landwirtschaftlichen Zentrum um. Ein 2-geschossiges Schulgebäude in Riegelform, Lichtschächte und Fluchtwege in Holz ausgeführt. Die Holz-Beton-Verbunddecke bringt Ausstiefung und Speichermasse. Senn wählte Eiche und Weißtanne als Fassade. Wobei es nicht leicht war, die Weißtanne zu bekommen, so erzählt Andy Senn.

Low Tech-Schule in Salez (CH). Foto: Starmühler
Am linken Foto sind die simplen Oberlichten zu sehen, rechts erkennt man
die Luftigkeit des Bauwerks.

Keep it simple
Ein großes Thema sei die Energie. Der Mensch hat die Energieregelung an die Technik ausgelagert, sagt Senn. Doch ältere Gebäude stellten sich als nicht weniger sparsam heraus. Auch die Nutzer-Zufriedenheit ist in den hochtechnisierten Häusern nicht immer gegeben. Daher suchte man ein Haus OHNE Gebäudeautomation, ohne Lüftungsanlage, ohne Kühlung, keine Sensoren oder dergleichen. Nur eine ökologische Heizung, PV und Fensterlüftung (von Hand bedienbar) waren erlaubt.

„Das Lüftungsprinzip alter Ställe wurde auch unser Vorbild“ sagt Andy Senn. Für die Querlüftung des Erdgeschosses wurden Lüftungsschächte eingesett. Jedes Klassenzimmer hat zwei Schächte. Die Raumhöhe wurden mit 4,40 Meter großzügig gewählt, um gute Luft auch auf längere Zeit vorhalten zu können.

20-30 Tage über 26 Grad
Kleine Fenster und außenliegender Sonnenschutz. 100 Stunden pro Jahr, also an 20-30 Tagen im Jahr steigt die Temperatur über 26 Grad an. Was im Falle der Schule nicht so schlimm ist. Senn: „Die Erfahrungen in unserem ersten Sommer sind durchaus positiv“.

Kleine Lüftungsklappen an den Fenstern ermöglichen z.B. gute Nachtlüftung zuständig, auch Stoßlüftung ist mit geöffneten Flügeln ist mög. Große Oberlichten können mittels Kurbel geöffnet werden. Die Nachtauskühlung habe gut funktioniert, sagt der Architekt. 5 Jahre wird nun evaluiert und die Raumluft gemessen. Im kommenden Frühjahr wird die Außenbereichs-Bepflanzung fertiggestellt werden. Wohlwollen im Publikum.

(hst)

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