Die heimischen Tischler zeigen sich nach der 1. Jahreshälfte 2014 wenig euphorisch. Der Produktionsstandort Österreich bringe zu viele Regularien und Auflagen mit sich. Zusätzlich stehen sie einem erhöhten Preisdruck durch wachsende Konkurrenz gegenüber.
Die Wandverkleidung mit vietnamesischer Seide setzt kräftige Akzente. ( Foto: smartvoll architekten)


„Heute braucht man als Tischler ein Nischenprodukt. Alles andere können Sie vergessen“ meint Tischler Johann Thalhofer, spezialisiert auf Einbruchs- und Brandschutztüren, letzte Woche im Interview mit dem Wirtschaftsblatt (Ausgabe 2. Juli 2014). Die Massenproduktionen aus dem Ausland drängen sich mit Billig-Preisen auf den Markt. Kein Wunder, ist doch der Lohnspiegel in den östlichen Nachbarländern wesentlich geringer als jener in Österreich. Dazu kommen laut Thalhofer auch heimische oder deutsche Groß-Unternehmen, die durch industrielle Fertigung auf niedrigere Stückkosten kommen. Eine schwierige Ausgangslage für Klein- und Mittelunternehmer wie Thalhofers Tischlerei: „Deswegen machen wir elitäre Stücke. Bei Null-acht-fünfzehn-Sachen haben wir preislich keine Chance.“
 
Die KMU Forschung Austria sieht dennoch einen positiven Trend. Laut einer Umfrage des Instituts bezeichnen 30% der 261 befragten Unternehmen den Auftragsstand im 1. Quartal 2014 als gut, 46 % als saisonüblich und 24% als schlecht. Die Umsätze sind um 0,7% zum Vorjahr gestiegen. Keine Zahl, die dafür sorgt, dass die Branche die Hände jubelnd in die Luft wirft. Neben den schwierigen Marktbedingungen legt die heimische Politik den Tischlerbetriebe regelmäßig neue kostenintensive Vorschriften auf. „Der Aufwand für Firmen ist unglaublich hoch“, bewertet Gerhard de Witt, Geschäftsführer D. DE WITT GmbH, die vielen Auflagen und Regularien (Wirtschaftsblatt 2. Juli 2014). Dieses Jahr muss er alle Mitarbeiter zu Ersthelfern ausbilden lassen, was einem Zeitaufwand von je zwei Tagen gleich kommt. Jede Filiale muss außerdem jegliche Art von Beauftragten habe: Umweltbeauftragter, Abfallbeauftragter, ect. Der Produktionsstandort Österreich wird aus Sicht der Unternehmer als zu teuer bewertet.
 


Drastisch sind auch die verlangten Umbauarbeiten. Karl Baliko, Innungsmeister der Vorarlberger Tischler, sieht eine hohe finanzielle Belastung für die Betriebe durch Maßnahmen wie zum Beispiel die „Aktion Scharf“ bei Absauganlagen seit 2012. Vor dem EU-Parlament sind alle Holzstäube als krebserregend klassifiziert worden. In Österreich wurde der Grenzwert der Belastung als besonders hoch eingestuft, viel höher als in den Nachbarländern wie Deutschland. Auf 500 Quadratmetern dürfen keine fünf Gramm Staub in der Luft sein. Das ist weniger als ein Esslöffel voll. Ein Ding der Unmöglichkeit in einer Werkstatt. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Die besonders starken und von den Behörden empfohlenen Absauganlagen beginnen bei 7.000 Euro. Für viele kleine Betriebe ist das keine Investition, die ad hoc stemmbar ist. Ganz nebenbei spricht Baliko den Nebeneffekt für die Betriebe an: „Es ist bemerkenswert, dass niemand vom hohen Energieaufwand und den Zugluftbelastungen der Mitarbeiter spricht.“



Bundesinnungsmeister Josef Breitner beruhigt und schätzt die Lage weniger schlimm ein. „Auf lange Sicht gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu bestehen“, ist sich Breitner sicher (Wirtschaftsblatt Ausgabe 2. Juli 2014). Immer mehr Privathaushalte sanieren, um Energie zu sparen. Das bringt neue Aufträge mit sich. Die Digitalisierung sieht er als Chance den Online Verkauf anzukurbeln und die Produkte über die Grenzen zu verkaufen, genauso wie Kooperationen dafür sorgen, dass Groß-Aufträge angenommen werden. Wenn umsetzbar, wären das Hoffnungsschimmer, denn momentan nehmen rund ein Viertel der Tischlereien Aufträge um jeden Preis, da sie eine so geringe Eigenkapitalausstattung und somit keine andere Wahl haben, bestätigt die Wiener KMU Forschung.

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