Das erste Kapselhotel in Zürich bietet in einer minimalistischen Holzarchitektur bietet es voll ausgestattete Zimmer im “Tiny House” Format.

Bett
Das ist ein Hotelzimmer. Eigentlich sogar zwei. Es steht in Zürich, der Tischler machte es in Hittisau. Foto: weyellberner

Das muss man wollen. Im Hotel einchecken und dann im Schlafsaal nächtigen. Nur ein Filzvorhang trennt die müde Reisende, den trägen Schlafsuchenden vom gemeinsamen Vorraum. Die Businessworld ist im Studentenheim angekommen. Hier in Zürich wird die Winzig-Idee als Stapelware mit 54 Schlafplätzen weitergedacht, offenbar mit Erfolg.

Das Green Marmot, das grüne Murmeltier, gibt es schon seit 2020, das 21er-Coronajahr konnte man gut überstehen. Und der Preis ist gar nicht so tiny, wie man das angesichts der Bettladen-Architektur vermuten könnte: 92 Euro kostet die Nacht „Einzelkapsel im ruhigen Schlafsaal“ laut booking.com. Für 2 Personen. Womit man in Zürich doch wieder preiswert unterwegs ist.

Minimalistische Räume mit viel Birke

Weyell Berner Architekten haben die Abläufe eines japanischen Kapselhotels analysiert und für den europäischen Kulturraum neu interpretiert. Die minimalistisch gestalteten Räume sind geprägt durch klare Linien, helles Birkenholz, und tannengrüne Elemente. Mehrere Bauteile sind inspiriert von Sophie Taeuber Arps Kunstwerken. Die Schreinerarbeiten, Leuchte und Schlafkapseln hat die Vorarlberger Tischlerei Bereuter ausgeführt.

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Konzept aus Japan, aber wie funktioniert das mit den Straßenschuhen?

Was ist ein Kapselhotel, wie kann man das im Japan der 70er Jahre entwickelte Konzept auf die Schweiz übertragen? In Europa gibt es nur wenige Vorbilder, in Zürich ist es das erste seiner Art.
„Die Planung von einem Kapselhotel stellt verschiedene Herausforderungen, die auf engem Raum und im vorgegebenen Kostenrahmen umzusetzen sind“ berichten die Architekten von Weyell-Berner-Architekten. Wieviel Raum braucht ein Mensch? Wie transformiert man das im japanischen Kulturraum entstandene Nutzungskonzept auf die Schweiz – kann man erwarten dass die Strassenschuhe am Eingang ausgezogen werden? Ein schematisches Nutzungsdiagramm zu Beginn des Planungsprozess setzt sich mit funktionalen Abläufen aber auch mit kulturellen Fragestellungen auseinander. Es ist Grundlage für die Organi- sation und damit die Grundrisskonfiguration des Kapselhotels.

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Kaffee und Snack am Eingang

Man betritt das Hotel direkt von aussen im ersten Obergeschoss über den seitlichen Eingang von der Rössligasse. In der Eingangslounge befindet sich die Rezeption, Kaffee- und Snackautomat. Zum Frühstücken geht man extern in Cafés der unmittelbaren Umgebung, Restaurants und Bars laden zum Abendessen ein und werden zum temporär erweiterten Wohnraum des Hotels. Die Schliessfächer sind das meistfrequentierte Element im Hotel, sie liegen zentral und verbindenden den öffentlichen Lounge-Bereich mit den gemeinschaftlichen Bädern und Schlafräumen.

Eintauchen in die Welt der Murmeltiere

Das minimalistisch gestaltete Entrée mit glatten Oberflächen erzeugt eine ruhige und großzügige Atmosphäre. Der Korridor zu den Schlafkapseln ist dagegen schmal und dunkel gehalten, hier taucht man ein in die Welt des Murmeltiers.
Helles Birkenholz mit drei verschiedenen Oberflächen prägt die natürliche Atmosphäre der Innenräume: Natur,Tannengrün und Hellgrau lasiert. Um die Großzügigkeit des Loungebereichs hervorzuheben sind Kaffeeautomat, Snackautomat sowie die Schliessfächer in den Holz-Ausbau integriert. Boden und Leuchte sind inspiriert von Kunstwerken Sophie Taeuber Arps, der wegbereitenden Künstlerin der konstruktiv konkreten Kunst in Zürich.

Außenliegende Holz-Ständerkonstruktion

Im Gegensatz zum Eingangsbereich macht die Holzkonstruktion der Schlafkapseln das Fügen der einzelnen Elemente zum Thema. Die aussenliegende tannengrüne Ständerkonstruktion der Kapseln schafft Vor- und Rücksprünge die den Innenraum strukturieren.

Lüftung ist ziemlich wichtig hier

Jede Schlafkapsel wird direkt mit Frischluft versorgt, verfügt über ein Sideboard mit ausklappbarem Tisch, Leseleuchte, Handy-Ladestation, Safe, Spiegel und Kleiderhaken sowie einen hellgrauen Fischgrät gemusterten Vorhang. Zur Nachbarkapsel ist sie doppelt beplankt mit innenliegender akustischer Dämmung.

Bettsharing ist noch nicht dabei ...

Das Konzept eines Kapselhotels wurde im Ballungsgebiet Tokio aus dem Bedarf heraus entwickelt günstig zu übernachten. Heute, übertragen auf anspruchsvollere Gäste mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kann es als Beitrag zu einer städtischen Innenentwicklung betrachtet werden. Bei reduziertem persönli-chem Raumbedarf mit gemeinschaftlichen Nutzungen im Inneren und durch das Teilen der bestehenden Infrastruktur der Stadt. Nur das Bett selbst muss man nicht teilen (wie zum Beispiel in Wien um 1900 als die Schichtarbeiter sich ein Bett stundenweise teilten).

Familienunternehmen managed das Murmeltier-Hotel

Das Start-up Kapselhotel Green Marmot in Zürich wird als Familienunternehmen geführt und hinterlässt dadurch einen sehr persönlichen und herzlichen Eindruck bei seinen internationalen Gästen, sagen nicht nur die Architekt:innen, sondern auch vile Gäste in den Kommentarposts.
Der Name Green Marmot Capsule Hotel (Grünes Murmeltier) bezieht sich auf die Lebens- und Schlafgewohnheiten des sympathischen Alpenbewohners. Wie gesagt, man muss es wollen. Also ein Murmeltier werden, nach all den Jahren in richtigen Hotelbetten...

Projektbeteiligte

Bauherr: Green Marmot GmbH, Zürich
Architektur und Bauleitung: Weyell Berner Architekten GmbH, Zürich Eigentümer Gebäude: Swiss Life
Verwaltung: Livit AG
Statik: CAD Ingenieure, Zürich Akustik:Wichser AG, Zürich
Haustechnik: Pfenniger & Partner AG, Zürich Brandschutz: Gruner AG, Zürich
Holzbau: Tischlerei Bereuter, Hittisau A
HLKS: Baltensberger AG, Zürich
Baumeister: Finish Service AG, Oberengstringen ZH Elektro: Ruckstuhl AG, Zürich
Vorhänge: Atelier Schildknecht, Egg ZH Trennwände: Zurag AG, Ebikon
Signaletik:Tarantik & Egger, Lindau
Fotographie: Jürgen Beck, Zürich, © Weyell Berner Architekten

(hst)

 

 

Kommentare  

#1 Gracie 2021-12-22 06:41
Keep this going please, great job!

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