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Technik
29.05.2018 - In Mitteleuropa kennt man die Birke vor allem als Furnier oder Sperrholz. Mit bis zu 200 % höheren mechanischen Eigenschaften als die Fichte ist diese zerstreutporige Laubholzart in der Holzverarbeitung vielfältig einsetzbar.
Lagen von Birkenschälfurnier werden zu Sperrholz weiterverarbeitet. Bildquelle: Metsä Wood

Die Birke (Betula sp.) ist nach ihrer weißglänzenden Rinde benannt, denn der weit zurückliegende Ursprung des indogermanischen Wortes bedeutet hell oder glänzend. Die Pionierbaumart gilt als Sinnbild und Verkörperung des Frühlings. Für die Nordeuropäer ist sie Leitbaum und Mythenträger.
Die Verbreitung der Gattung der Birken mit ihren etwa 60 Arten umfasst überwiegend in die nördlichen Waldgebiete Asiens, Europas sowie Amerikas. Nur wenige Arten kommen noch in den nördlichen Bergwäldern Indiens bis China vor. Grundsätzlich ähneln sich die Birken-Hölzer sehr stark. Die europäischen Arten bestehen grundsätzlich nur aus blass gelblich- bis rötlichweißem Splintholz, das in sehr alten oder geschädigten Bäumen auch eine kernähnliche, bräunliche Farbe annehmen kann.
Während die Birke in Österreich nur vereinzelt als Zielbaumart waldbaulich wichtig ist, so wandelt sich die Bedeutung als Wertholz, je weiter man Richtung Skandinavien oder Osteuropa kommt. Dort wächst das zerstreutporige Laubholz häufig in sägefähiger Qualität. Langfristig könnte der Klimawandel dazu beitragen, dass sich Laubhölzer wie die Birke gegenüber Nadelholz stärker durchsetzen. Aber auch kurz- und mittelfristig bewirkt bereits das Eschentriebsterben, das in fast ganz Europa zum flächigen Ausfall führt, dass Ersatzbaumarten wie die Pionierbaumart Birke an ihre Stelle treten können – auch in Österreich. In diesem Zusammenhang hat sich in Deutschland die lindenblättrige Birke (Betula maximowicziana) mit sehr guten Wuchsleistungen und Schaftformen als vielversprechende Art erwiesen.

Unterschätzte Eigenschaften
Hervorzuheben ist, dass die europäischen Birken-Hölzer eine höhere Druck- und Biegefestigkeit als die schwere Rotbuche besitzen. Die Holzbearbeitung, vor allem das Hobeln, Fräsen, Drechseln, Schnitzen, Messern und Schälen ist sauber durchführbar. Beim Verleimen sind synthetische Leime vorzuziehen. Birken-Hölzer sind besonders gut biegbar. Das Stehvermögen ist durch die meist hohen und ungleichen Schwindungswerte nur befriedigend. Dem entsprechend besteht bei allen Trocknungsverfahren die Gefahr des Verziehens und der Rissbildung. Zur Vermeidung von Verfärbungen ist eine schnelle Übertrocknung der Schnittware und die Trocknung der Furniere erforderlich. Alle Birken-Hölzer sind ungetrocknet durch Insekten- und Pilzbefall gefährdet; Eisen-Metalle verursachen bei Kontakt mit feuchtem Holz eine schwache Graufärbung. Weniger bekannt ist, dass Birkenteer als einer der ersten Klebstoffe gilt.

Rusisaari Birkenwald Jrichert
Birkenwald auf Rusisaari in Finnland. Bildquelle: Jrichert

Verwendung
Bereits im Biedermeier wurde Birkenholz im Möbelbau bei uns erstmals verwendet. Das helle Holz wurde seither verschiedenartig eingesetzt: unter anderem für Möbel, Parkettböden, Drechselwaren und Kinderspielzeug. Die Verwendung der in Europa heimischen und wirtschaftlich wichtigen Birken-Hölzer (Hänge- bzw. Sand- und Moorbirke) ist heute hauptsächlich auf die Herstellung von Furnieren oder Sperrholz beschränkt.
Birke und darauf basierende Holzwerkstoffe haben um bis zu 200 % bessere Eigenschaften als heimische Nadelhölzer. Dazu werden die edle Optik und die hohe Rohdichte besonders geschätzt. Letztere verbessert bauphysikalische Eigenschaften wie etwa den Wärmedurchgangskoeffizienten und die Tragfähigkeit der Verbindungsmittel.

SI MODULAR 77
Holzstegträger-Module aus Kerto LVL für ein vor Kurzem entwickeltes Baukastensystem, der den heutigen europäischen Standards etwa hinsichtlich der EnEV bis hin zum Passivhausstandard entspricht.Bildquelle: Metsä Wood

Hirnholzverbindung in Birken BSH Schraubenbruch
Die TU Graz ist ein Forschungshotspot für BSH und BSP aus Birke und Verbindungsmittel. Bildquelle: TU Graz


Innenausbau und statisch
Im Innenausbau, für Span- oder OSB-Platten und in der Möbelherstellung, besonders im hochwertigen Bereich, gewinnt der Einsatz von Massivholzplatten aus Birke als Alternative zu anderen Holzwerkstoffen immer mehr an Bedeutung.
Birkenholz kann aber mehr leisten. Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zum Einsatz der Birke für Brettsperr- und Brettschichtholz hat an Breite gewonnen. So befassen sich Unternehmen und Institute wie speziell auch Gerhard Schickhofer, Institut für Holzbau und Holztechnologie an der TU Graz sowie Kompetenzzentrums Holzbau Forschungsgmbh mit der Erforschung von Laubholzarten mit dem klaren Ziel, Materialien und Produkte für den Ingenieurholzbau zur Marktreife zu entwickeln. Bei der Produktion großformatiger BSP-Platten auch mit Birke ist die Kärntner Unternehmensgruppe Hasslacher Norica Timber in Stall im Mölltal eine Referenz in Österreich.

Erstmals wurde Birken-Brettschichtholz als tragende Konstruktionen 2015 für eine als Lärmschutzbauwerk konzipierte Lagerhalle für Schnittholz der Noritec Holzindustrie verwendet. Die größte freie Spannweite von 27 m wird mit einem rund 3 m hohen Birken-BSH-Fachwerk überspannt. An der TU Graz arbeitet man unter anderem weiter an der Erforschung und Entwicklung von sogenannten uhpp-Profilen (Ultra High Performance Plywood). Als I-, C- und T-Träger stehen damit hochleistungsfähige Profilformen aus Laubholz zur Verfügung.

Nachfrage nach Furnierschichtholz steigt
Furnierschichtholz (LVL) führt in Österreichs Holzbau ein Nischendasein. Andere Länder haben das aber andere Traditionen. Um der weltweit wachsenden Nachfrage besser nachkommen zu können, errichtet Metsä Wood bis zum zweiten Quartal 2018 in Pärnu, Estland, ein neues Birkensperrholzwerk mit einer Produktionskapazität von 50.000 m3/J. Auch Stora Enso hat kräftig in die Erweiterung ihrer Furnierschichtholz-Produktion investiert. Und ebenso bei UPM Plywood trägt das Investitionsprojekt in Otepää, Estland, bereits zum profitablen Wachstum im Bereich Birkensperrholz bei, hieß es im April. Erfolgreich ist auch Steico beim Furniersperrholz aus Birke. (asp)

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