Ein Vorarlberger Holzbaumeister bringt einen Vorschlag für einen schnellen Wiederaufbau von Notre Dame. Zeitplan: Drei Monate. 

Ob Notre Dame in ein paar Jahren wieder so aussehen wird, ist zurzeit noch offen. Foto: pxhere

Das Feuer von Notre Dame im April dieses Jahres hat für einen quasi endlosen Strom an Schlagzeilen gesorgt. Der ist weiterhin nicht versickert, sondern bringt auf quasi täglicher Basis neue Nachrichten zu Informationen, Gedanken und Spenden herein. Gerade an letzteren fehlt es mittlerweile wirklich nicht und es ist klar, dass es zu einem Wiederaufbau der Kathedrale kommen wird. 

Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, er wolle die Kirche innerhalb der nächsten fünf Jahr wiedererrichten. Dabei ist weder geklärt, in welcher Form das geschehen soll, noch ob dieser motivierte Zeitplan überhaupt eingehalten werden kann. Emily Guerry, Forscherin an der Britain's University of Kent für mittelalterliche europäische Geschichte geht gegenüber CBS davon aus, dass der Wiederaufbau 20–40 Jahre dauern werde. Jedenfalls aber eine Generation. 

Langsam angehen

Auch andere Fachleute haben sich bereits gegen Macrons Pläne ausgesprochen. In einem offenen Brief in der französischen Le Figaro erklärten sie: “Nehmen wir uns die Zeit, einen richtigen Weg zu finden und dann, ja, lasst uns eine ehrgeizige Deadline für eine beispielhafte Restauration setzen. Lasst uns nicht komplexe Gedanken, die dieses Projekt umgeben müssen, für eine Darstellung von Effizienz hintanstellen.“ 

Hinzu kommt noch eine weitere ungeklärte Frage: Woher soll man eigentlich das Holz für eine Restauration des „Walds“ von Notre Dame nehmen? Während im Mittelalter noch genügend Eichen für das Gebälk der Kirche vorhanden waren, kommt man heute nicht mehr auf die geschätzt 3.000 benötigten Bäume. Auch nicht mit einigen angebotenen Spenden aus dem Vereinigten Königreich.  

Vorschlag aus Vorarlberg

Hubert Rhomberg, Miteigentümer des vorarlberger Holzbauunternehmens Rhomberg Bau GmbH, erklärt, dass das kein Problem darstellen sollte. Er meint im Gegenteil bei seinem vorgeschlagenen Plan für die Rettung von Notre Dame, dass man generell auf Eichen verzichten sollte. Stattdessen schlägt er Nadelhölzer wie Fichte, Tanne und Kiefer vor. 

Sie sind laut ihm zu genüge in den französischen Wäldern vorhanden und könnten laut seiner Rechnung sogar komplett aus dem Waldbestand der katholischen Kirche gestellt werden. Würde diese das Holz spenden, könnte man die Baukosten um 25 % senken. Ein weiterer Vorteil des Nadelholzes wäre dessen niedriges Gewicht im Vergleich zur Eiche. 

Made in Paris

Verarbeitet werden solle das Holz laut Rhomberg von französischen Betrieben, oder genauer von den vielen Holzbaubetrieben in Paris. Und das innerhalb von drei Monaten – also noch wesentlich schneller als in den Plänen von Macron angedacht. Statt dem bisherigen kleinteiligen, doppelten Hängewerk, mit einer Vielzahl an Sparren, Kehlbalken, Hängesäulen und Streben, soll eine vorgefertigte, aufgelöste Fachwerkskonstruktion entstehen.

Vorelementierte Holz-Rippenelemente sollen auf diesen angebracht werden und würden auch über eine regendichte Dachhaut verfügen. Damit wäre auch für die Dichtheit des Dachs gesorgt. Laut diesem Plan würden sämtliche Elemente schon im Vorfeld von den Pariser Betrieben gefertigt und könnten daraufhin relativ zügig verbaut werden. 

Weitere Ideen

Neben dem Vorschlag von Rhomberg gibt es aber auch noch andere Ideen, wie man Notre Dame wiederaufbauen könnte. Es gibt dabei natürlich jene, die sich eine möglichst authentische Rekonstruktion des Daches und des Turms wünschen. Pläne gäbe es dafür ausreichend, unter anderem auch in dem Videospiel Assassin’s Creed Unity. 

Andere würden aber lieber einen völlig neuen Zugang sehen. Es läuft dementsprechend auch ein Wettbewerb für die besten Neu-Entwürfe des Turms. Es gibt dazu bereits Varianten aus Stahl oder Glas. Eine niederländische Firma schlägt vor, Notre Dame aus der Asche neu zu bauen. Buchstäblich; mit 3D-Druckern. Ein anderer Vorschlag meint, man könne das Dach von Notre Dame auch zu einem Gewächshaus umbauen und das alte Eichenholz als große Tröge für die Pflanzen darin nutzen. (flb)

Kommentare  

#6 LeonS 2019-07-24 15:39
Der Vorschlag aus dem Vorarlberg ist fachlich völlig richtig, es kommt nur darauf an, für welches Konzept man sich entscheidet.

Viele Grüße aus dem Fachgebiet
#5 LeonS 2019-07-24 15:38
-Zur Härte: Wozu hart? Das Holz muss nur stabil sein und die statischen Kräfte tragen können.
-Zur Beständigkeit: Notre Dame ist keine alte vergessene Scheune, bei der der Dachstuhl zusammenfallen wird, weil das Holz nicht beständig genug ist. Da wird bestimmt ab und zu geschaut, ob es etwas zum restaurieren gibt...
#4 LeonS 2019-07-24 15:38
-Zur Stabilität: Das schwere Eichenholz muss sich selbst und das immense Gewicht des restlichen Eichendachs tragen müssen. Nadelholz ist leichter und muss deshalb nicht sooo stabil sein wie Eiche, wenn es im Dach verbaut wird.
#3 LeonS 2019-07-24 15:37
Lieber Herr Egger-Lederer,
ob im Dach Nadelholz oder Eiche verbaut ist, ist erst einmal egal.
-Zur Dauerhaftigkeit : Da es bei der Dauerhaftigkeit darauf ankommt, ob das Holz der Witterung ausgesetzt ist oder nicht. Unter einem Dach sollte die Witterung meist keine Angriffsfläche haben, außer an "kritischen" Stellen, wie z.B. Schwellen, die auf dem Mauerwerk aufliegen.
#2 Redaktion 2019-05-08 09:19
Lieber Herr Egger-Lederer, vielen Dank für Ihren Kommentar! Wie würden Sie denn den Wiederaufbau angehen? Haben Sie schon einen Vorschlag gesehen, der Ihnen gefällt?
Wir freuen uns auf Ihre Antwort! Mit freundlichen Grüßen
Redaktion holzmagazin
#1 Alois Egger-Lederer 2019-05-07 22:26
Ich finde diesen Vorschlag einen Krampf da Fichtenholz, Tanne etz als Weichholz doch nur einen Bruchteil der Haltbarkeit und Beständigkeit hat gegenüber der stabilen harten und dauerhaften Eiche. Natürlich fordert das auch die Handwerkskunst welche ja in unserem Raum ständig sinkt!

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