Die Vielfalt an ökologischen Dämmstoffen nimmt zu, die Akzeptanz bei BauherrInnen und PlanerInnen ist jedoch noch überschaubar. Um das zu ändern, sollen Materialkennwerte besser vergleichbar gemacht werden. Beim Holzbau geht es auch um Verbesserungen der tiefen Frequenzbereiche beim Tritt- und Luftschall.

Die neuen Hanf-Dämmprodukten „Hanf Flex“ und „Hanf Flex Evolution“ für den Holz- und Holzriegelbau gibt es in Stärken bis 16 cm. Foto: Synthesa

Der österreichische Dämmstoffmarkt stagniert. Nach einem Wachstum von 0,8% von 2016 auf 2017 gingen die Mengen 2018 laut einer Markterhebung der GDI 2050 wieder um 0,4% zurück auf rund 6,1 Millionen Kubikmeter. Insgesamt verloren die Schaumstoffe, während Mineralwolle laufend zulegt. Alternative Dämmstoffe auf Basis von Zellulose, Schafwolle, Hanf etc. bewegen sich mit 0,22 Millionen Kubikmeter auf dem Niveau der Vorjahre. Der Absatz von Holzwolle-Leichtbauplatten stieg um rund 5% auf 0,021 Mio. m3. Dämmstoffe könnten jedoch zur Erreichung der Klimaziele in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. „Die aktuell bei 0,4% pro Jahr liegende Sanierungsrate ist auf 2% anzuheben. Nur so können wir die in der #mission2030 formulierte Dekarbonisierung des Wohnungssektors erreichen. Denn rund 750.000 Wohnungen sind thermisch unzureichend ausgestattet“, appelliert Clemens Demacsek, Geschäftsführer der GDI 2050, an die Regierung.

Pushfaktor Klimaschutz?

Zur Herstellung einer 1 m2 großen und 12 cm starken EPS-Wärmedämmstoffplatte mit der Dichte 20 kg/m3 werden laut der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sowie dem EPS-Verband Schweiz 6,7 Liter Rohöl benötigt. Polystyrol ist zwar rezyklierbar, die Mengen des bis 2015 zugelassenen Flammschutzmittels HBCD machen eine Wiederverwertung jedoch kompliziert und teuer. Ziel ist es daher, den Marktanteil der nachwachsenden und ökologischen Roh- und Dämmstoffe beim Bauen deutlich zu erhöhen. In Deutschland setzt dazu ein Verbundprojekt des BMEL noch bis Mitte 2020 daran, Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit solchen aus herkömmlichen Materialien vergleichbar und damit wettbewerbsfähiger zu machen. Die Materialkennwerte der NawaRo-Dämmstoffe sollen die Bauplanung erleichtern und aufwändige Bauteilprüfungen etwa im Schall- oder Brandschutz ersetzen. Zudem wird die Nachhaltigkeit der Materialien – etwa Ressourcenverbrauch und Emissionen– nach ISO- bzw. EPD-Standards bewertet, was Verarbeitern das Finden der Dämmstoffe in Baustoffinformationssystemen ermöglicht.

Guter Schallschutz bei Naturdämmstoffen

Gerade Leichtbauweisen wie der Holzbau haben besondere Herausforderungen beim Schallschutz. Dieser wird mit mehrschaligen Wand- und Deckenaufbauten erreicht. Im mehrgeschoßigen Holzbau werden dabei an Geschoßdecke als wichtigs­tes Trennbauteil die höchsten Anforderungen für die Luft- und Trittschalldämmung gestellt. Naturdämmstoffe bestehen oft aus Fasermaterialien und weisen zumeist vergleichsweise hohe Raumdichten auf – der Schallschutz ist daher bei diesen allgemein sehr gut. Neben Prüfungen von Kork und Holzfaser liegen laut der Österreichischen Energieagentur besonders für Hanfdämmung viele, ausgezeichnete Ergebnisse vor. Geprüfte Aufbauten auch mit nachwachsenden Dämmstoffen, die den gesuchten Schalldämmwert erfüllen, sind im Bauteilkatalog „www.dataholz.eu“ gelistet. Die Bauteildatenblätter dienen auch zur Vorlage bei der Baubehörde.

Wandaufbauten schalltechnisch optimiert

Beim vor kurzem veröffentlichten Kooperationsprojekt „Schall.Holz.Bau“ des ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich wurden akustische Wirkmechanismen der Außenwand im Holzbau analysiert. Dabei konnte man für Dämmstoffe mit einer geringen dynamischen Steifigkeit wie eben Hanf oder Steinwolle einen positiveren Einfluss auf das Schalldämm-Maß RKf  einer Holzständerkonstruktion ermitteln als etwa Holzfaserplatten. Mittels weiteren bauakustischen „Stellschrauben“ wie geteilte Ständerwerke bei Holzriegelkonstruktionen, möglichst wenige und vor allem definierte Schraubpunkte oder ergänzende Bauteilschichten konnten Wandaufbauten schalltechnisch optimiert werden. Durch die Kenntnis über die Wirksamkeit dieser Verbesserungsschritte und deren Nachweis können Außenwände im Holzbau mit branchenüblichen Maßnahmen neben den baurechtlichen Anforderungen auch die Anforderungen höherer akustischer Komfortklassen erfüllen. Insbesondere im tiefen Frequenzbereich unter 100 Hz konnten erhebliche Verbesserungen erreicht werden. Als Folgeprojekt sollen bis Juni 2020 fehlertolerante, „robuste“ Detaillösungen und Qualifizierung von Trennwänden und -decken aus Holz im verdichteten Hochbau schallschutztechnisch weiterentwickelt werden. Als neue Projektpartner wollen mit der Isocell GmbH und Sonnenklee GmbH die Nawaro-Dämmstoffe Zellulosefaser sowie Stroh fit werden für die speziellen Anforderungen im mehrgeschoßigen, großvolumigen Holzbau. Eine neue Möglichkeit für nachhaltige Bauherren könnten Sandwichelemente aus Holzschaum und Textilbeton als Deckenlage sein, der aber bisher noch nicht auf dem Markt ist. Dieser bauakustisch wirksame Schaum wird so zusammengestellt, dass er seine Festigkeit und Elastizität komplett aus den holzeigenen Bindungskräften erhält. So sind keine zusätzlichen synthetischen Klebstoffe notwendig.  (asp)

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