Das Corona-Jahr ist an der Baubranche nicht spurlos vorübergegangen. Vielmehr machte es überdeutlich, wie essenziell digitale Fähigkeiten sind und wo diesbezüglich Aufholbedarf herrscht.

Die Art wie Bauprojekte abgewickelt wird, verändert sich durch Corona schneller. Foto: Pexels

„Die Baubranche hinkt der Digitalisierung hinterher.“ So oder ähnlich lautete noch bis vor Kurzem der Tenor auf Immo-Konferenzen und unter Experten. Eine Ende 2019 publizierte Studie des deutschen Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung unterstrich diese weitverbreitete Meinung mit harten Zahlen: So gaben beispielsweise nur 13,7 Prozent der befragten Unternehmen an, die Möglichkeiten von Building Information Modeling (BIM) zu nutzen.

Verpflichtend oder optional?

Dabei ist die digitale Arbeitsmethode seit Anfang des Vorjahres verpflichtend für die Ausschreibung öffentlicher Bauten – zumindest, wenn man der offiziellen Empfehlung der EU-Kommission folgen will. Tatsächlich sah die Realität zu Jahresbeginn 2020 in vielen Ländern noch anders an, darunter auch in Österreich, wo die Verwendung von BIM nach wie vor optional ist.

Dann kam, was niemand vorhergesehen hatte: Die Corona-Pandemie und mit ihr temporäre Baustellensperren, Kurzarbeit, Lieferengpässe und neue Regeln für den zwischenmenschlichen Kontakt. Eine nicht zu bewältigende Krise für die Baubranche oder der Schubs, der nötig war, um endlich den Sprung ins digitale Zeitalter zu wagen?

Berührungsängste abbauen

Ibrahim Imam, Geschäftsführer und Mitgründer des Wiener PropTech-Startups PlanRadar, sieht die Pandemie jedenfalls als Katalysator für die Digitalisierung der Bau- und Immobilienbranche: „Ortsunabhängiges Arbeiten wird zum Imperativ für den Geschäftserfolg und digitale Tools helfen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig wird die Berührungsangst gegenüber neuen Technologien und damit eines der größten Hemmnisse der Digitalisierung abgebaut.“

Eine Umfrage, die 2020 von PlanRadar durchgeführt wurde, bestätigt Ähnliches: Mehr als 60% der Befragten haben ihre Digitalisierungsstrategie aufgrund der Pandemie – insbesondere ob der fehlenden örtlichen Präsenz – teilweise oder gänzlich angepasst. Dabei wurde der höchste Grad an Digitalisierung im Dokumentenmanagement verortet, welches gleichzeitig als Bereich mit dem größten Digitalisierungsbedarf genannt wurde.

Großer Sprung

Unternehmen wie PlanRadar, die schon lange auf eine digitale Strategie setzen, ernten jetzt die Früchte. „Wir haben den schwersten Wirtschaftseinbruch seit Jahrzehnten nicht nur bisher völlig unbeschadet überstanden, sondern sind sogar weitergewachsen und haben Marktanteile gewonnen“, erklärt Imam. Ein Kundenzuwachs von rund 40 Prozent spricht für sich.

Ist die Baubranche also im Zeitalter der Digitalisierung angekommen? Zumindest das Bewusstsein dafür scheint einen großen Sprung gemacht zu haben – der Pandemie sei Dank. Trotzdem muss in vielen Bereichen, nicht zuletzt in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, noch kräftig nachjustiert werden, damit der digitale Fortschritt nachhaltige Realität wird. (mia)

 

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