hba_newspic_holzfassade04.05.2011 - Ein Schweizer Forschungsprojekt lässt im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen: In den folgenden Jahren soll der Schallschutz in Holzbauten optimiert werden - federführend ist die EMPA (Eidgenössische Materialprüfungs- und Versuchsanstalt).

Die neue Forschungsplattform für einen verbesserten Schallschutz im Holzbau hat die Empa erst vor wenigen Tagen in Betrieb genommen: In einer ehemaligen Lagerhalle auf dem Areal der Forschungsinstitution stehen zwei übereinander liegende Raumpaare aus Holz. Hier – im Fachjargon Prüfstand genannt – werden während der nächsten sechs Jahre Wissenschaftler der Empa sowie der Fachhochschule in Biel mit Experimenten beschäftigt sein. Denn in diesen vier Testräumen wollen sie die Schalldämmung von Leichtbauten prüfen, also Häuser aus Holz und Gips. Leiter der Forschungsgruppe ist Lubos Krajci.

Beim Empa-Experiment sendet ein Lautsprecher Rauschen von einem Raum in den andern, dabei können die Wissenschaftler das Verhalten der Körperschallübertragung messen und studieren. Lubos Krajci: «Der Schall nimmt viele Wege, mitunter auch Umwege, die wir bis jetzt noch nicht gut genug kennen.» Erst nach etlichen Messungen werden die nötigen Kennwerte bekannt sein. Mittels diesen erhalten die Bauherren Planungssicherheit. «Vermehrt sollen Holzbauten auch mehrgeschossig sein», so Krajci. Gerade in solchen Fällen ist eine Schalldämmung wichtig.

Bislang fielen Holzbauten immer höher als Massivbauten aus, weil sie für die gleiche Schalldämmung dickere Decken benötigten. Dies wiederum stand im Konflikt mit der Bau- und Zonenordnung, die Bauten auf eine gewisse Höchsthöhe beschränkt. Sind die Forschungen aber so weit fortgeschritten, dass die Ringhörigkeit auch in Holzbauten verbessert werden kann, würde dies den mehrgeschossigen Holzbau fördern. Bliebe da noch die höhere Brandgefahr. Doch der Wissenschaftler winkt ab: «Es ist ein Ammenmärchen, das Holzbauten leichter brennen als Massivbauten.» Zudem hätten sich die Brandschutzvorschriften liberalisiert. Die Nachfrage nach energieeffizienten, nachhaltigen Bauweisen ist in den letzten Jahren aber gestiegen.

Dem Bund ist das neueste Forschungsprojekt sechs Millionen Franken wert. So viel hat er für die sechjährige Testphase gesprochen. Rund die Hälfte des Betrages übernimmt Lignum, der Fachverband der Holzwirtschaft. Eine bessere Schalldämmung ist im Interesse aller, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Ansprüche an den akustischen Komfort gestiegen sind. «Gute Holzbauten sind möglich», ist Krajci überzeugt. Die Resultate der nächsten Jahre werden die Grundlagen dazu liefern.

Quellen:
zuonline.ch
empa.ch

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