Der Wunsch nach der Realisierung einer Architektur in hochalpinem Kontext war Motivation für das Projekt „Sheepripps“ der Architekturstudenten Gerhard Reiter und Andreas Lidicky.


Der Beruf des Hirten wird zwar seit jeher mit Idylle und dem Rückzug aus der Geschäftigkeit der Zivilisation assoziiert. In der Realität ist aber auch dieser Berufsstand nicht so veränderungsresis-tent, wie man sich dies gemeinhin vorstellen mag. Auf diese gegenwärtige Situation mit all ihren wirtschaftlichen Erfordernissen nimmt das Projekt „Sheepripps“ Bezug und steckt sich eine „Almhütte“ als Ziel, die räumlichen Luxus bietet und moderne technische Vorteile nutzt, um weitgehend autark zu funktionieren. Bei den Plänen handelt es sich insofern um ein Gebäude, „das sich gerade nicht über Tourismus, Bier- und Käseverkauf, Souvenirladen und Unterkunft finanziert, sondern über die Einfachheit des Wirtschaftsmodells und der damit einhergehenden Einfachheit des Raumprogramms und technischen Konzeptes“, so Gerhard Reiter, der den Hirten dadurch für weitere Tätigkeiten freispielen möchte. Konkret findet dieser Ansatz auch in einem Businessplan seinen Niederschlag, der u. a. Aspekte wie die Auswahl des „Tiroler Steinschafs“ für die Fleischproduktion sowie Futter und technische Aufwendungen kalkuliert. Ein möglicher Standort wurde im Gschnitztal, in der Nähe von Innsbruck, auf einer Höhe von 2.300 m gefunden. Die dortige Weidefläche von gut 60 ha bietet Futter für rund 240 Schafe. „Beinahe die gesamte Weide ist einsehbar. Oben im Warmen befindet sich eine Schlafnische. Auf einen Stall kann in Hinblick auf die Schaffleischproduktion in diesem Projekt verzichtet werden, eine kleine Werkstatt ist ausreichend“, schildert Andreas Lidicky die Anforderungen.

„Wenn wir auf Architektur fliegen, dann ist sie vielleicht gut oder abgehoben, oder vielleicht gut abgehoben.“ Gerhard Reiter, Andreas Lidicky
Wohnschale auf Natursteinsockel
Die Umsetzung des Konzeptes soll auf einem Sockel beruhen, der die am Bauplatz vorhandenen Natursteine miteinbezieht. Im Gegensatz zu diesem Material steht die aufgesetzte Wohnschale, welche dem Wohnraum einerseits Halt gibt und andererseits Leichtigkeit verkörpert. Durch den offen gehaltenen Innenraum wird diese Leichtigkeit zusätzlich betont. Das Haustechnikkonzept der Wohnschale sorgt dafür, dass das Objekt autark betrieben werden kann. So wird Frischwasser direkt von einer Quelle ins Haus geleitet und gleichzeitig zur Kühlung einer Lagernische verwendet. In der Außenhaut befindliche Solarabsorbationsschläuche dienen der Warmwassererzeugung, und zudem ist das Objekt mit einem Wärmetauscher für das Regenwasser sowie mit Sollarzellen und Sonnenschutzjalousien ausgestattet. Bis auf die Natursteine, die in einem Rahmen aus Bewehrungsgittern geschlichtet werden, müssen die Bauteile per Helikopter angeliefert werden. Jeder der vier Hauptbauteile wiegt weniger als 1000 kg und wird bereits im Tal als Rippen-Schalen-Verbundkonstruktion aus Sperrholzplatten und BSH vorgefertigt.„Die vier Bauteile müssen temporär gestützt aufgeflogen werden, erst nach der Verbindung mit dem angrenzen Bauteil wird das System stabil. Kleine Verformungen der Bauteile im Zuge der Bringung sind nebensächlich, da erst durch die Montage die endgültige Steifigkeit und Endform erzielt werden“, erklärt Reiter die Montage der Holzkonstruktion.

ImageLeben im Schafspelz
Ähnlich wie auch die Holzkonstruktion die logische Antwort auf den Entwurf sein soll, gilt dies auch für den Schnitt durch die Außenhaut hinsichtlich des Gesamtkonzepts. „Der Baukörper versucht mit seiner kantigen Form der kargen Landschaft Herr zu werden. Die Oberfläche ist hart und fugenlos. Schafwolle als bindende Faser gibt der pigmentierten Epoxydharz-Schicht eine raue, harte Textur“, so Lidicky, der innen eine „wo(h)llige“ Atmosphäre inszenieren möchte. Nicht nur die Reduktion von Gewicht und Ausmaß der Fassaden, sondern speziell das Thema „Haus für einen Hirten“ wird hier durch einen „Wollpullover als Raumhülle“ übersetzt. Das Haus hat ein weiches Inneres, ein kuscheliges Fell aus Schafwolle.


Daten & Fakten:

  • Planung: Gerhard Reiter und Projektpartner Andreas Lidicky, www.sheepripps.com
  • Errichtungskosten: € 100.000
  • Verwendetes Material: Stahlrahmen, Natursteine Sperrholzplatten und BSH, Schafwolle
  • Konstruktion: Rippen-Schalen-Verbundkonstruktion

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