Cento, Medolla – 27 Tote, rund 24.000 beschädigte Gebäude und 12.000 Obdachlose – das ist die Bilanz dreier Erdbeben, die zwischen 20. Mai und 4. Juni dieses Jahres die italienische Provinz Emilia Romagna erschütterten.
In der Ortschaft Cento konnte innerhalb von 81 Tagen ein Schulkomplex in Holzbauweise errichtet werden. Das Material stammt aus Tirol. Foto: ProHolz
Mitten in der Euro-Schuldenkrise verloren damit nicht nur viele Menschen ihr Zuhause, auch die Hälfte der etwa 83.000 Industrie- und Lagerhallen des wirtschaftsstarken Gebiets wurden zerstört.

Obwohl der italienische Staat Investitionen für den Wiederaufbau der Hallen mit einem sechs Mrd. Euro schweren Fonds fördert, stehen viele Firmen unter Druck, da sie ihre Produktion so schnell wie möglich wieder aufnehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aufgrund der antiseismischen Eigenschaften des Rohstoffs und der schnellen Errichtungszeit steht Holz dabei im Mittelpunkt. Gleich zwei Projekte setzen auf Produkte und Know-how aus Tirol.

„Trotz der Wirtschaftskrise haben wir es geschafft, unsere Exporte von Brett-Sperrholz zu steigern und wachsen jährlich im Schnitt um 30?%“, sagte Helmut Spiehs, Geschäftsführer von Binderholz-Bausysteme. Das Tiroler Unternehmen mit fünf Standorten in Österreich und Deutschland konnte die Ausschreibung für den Wiederaufbau der Schule Centro Emilia gewinnen und produziert für den Fertiggericht-Hersteller Menù SRL Holzprodukte für insgesamt 22.000 Quadratmeter große Produktionshallen. Nur vier Monate nach den Erdbeben stehen die Gebäude an den beiden Standorten nun kurz vor der Fertigstellung – der 6200 Quadratmeter große Schulkomplex wird am 30. Oktober nach nur 81 Tagen Bauzeit eingeweiht.

Laut einer Studie von Gardino Consulting beträgt der Anteil von Holzbau im italienischen Wohnbau derzeit rund 4,2?%, bis 2015 wird ein Wachstum auf 12?% erwartet.

„Die Firmen haben erkannt, dass sie grün denken müssen“, betonte Spiehs. In Österreich stecke dieses Bewusstsein noch in den Kinderschuhen. „Wenn die ökologische Gewichtung eines Gebäudes bei der Projektvergabe beachtet würde, wären wir wettbewerbsfähiger“, sagte Spiehs. Die hohen Rohstoffpreise seien ein weiteres Problem. „Aber: Holz ist aufgrund der Nachhaltigkeit wert, was es kostet. Der Zement, der aus China kommt, produziert indes mehr CO2 als die gesamte Luftfahrt“, gab Spiehs zu bedenken. Deshalb müsse der Staat dafür sorgen, dass eine preisliche Gleichstellung der Baumaterialien erreicht wird. „In England etwa tut sich auf diesem Gebiet schon einiges – bei uns muss sich noch zeigen, ob das ökologische Bewusstsein wächst“, so der Holzexperte abschließend.

Quelle: Tiroler Tageszeitung

www.proholz.at

www.binderholz.com

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